Die Debatte um Franz Xaver Kraus ist auch 100 Jahre nach seinem Tod noch nicht verstummt. Doch erstmals wird mit der vorliegenden Studie der Versuch unternommen, diesen umstrittenen Verfechter des "religiösen Katholizismus" auf der Grundlage seiner publizistischen, privaten und vor allem seiner nicht für die Öffentlichkeit bestimmten (kirchen-)politischen Stellungnahmen einzuordnen. Das Ergebnis ist eindeutig und frappierend: Kraus stand nicht nur den Herausforderungen der Moderne fremd gegenüber, sondern war zugleich entgegen seines eigenen Anspruches einer der umtriebigsten Kirchenpolitiker seiner Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.11.2003
Wie der mit "V.C." zeichnende Rezensent erklärt, behandelt die deutsche Historiografie den Priester und Professor der Kirchengeschichte, Franz Xaver Kraus, als "Vertreter eines liberalen, antikurialen und antiultramontanen Katholizismus". Von wegen!, ruft allerdings der Rezensent nach Lektüre von Michael Grafs "vorzüglich dokumentierter Analyse". Kraus mag sich als "gefürchtete graue Eminenz, die hinter den Kulissen kirchenpolitische Fäden zieht", etabliert haben. Doch sein "religiöser Katholizismus", den er dem verhassten "politischen" gegenübergestellt hatte, war, wie Graf klarstellt, nicht mehr als eine "Seifenblase". Kraus sei ein "monarchisch-elitär orientierter" Mann gewesen, "der die Demokratie in Staat und Gesellschaft ablehnte und das allgemeine Stimmrecht als den größten Humbug des Jahrhunderts bezeichnete". Was von Kraus bleibt, so der Rezensent, sind der "Kunsthistoriker" und der "brillante Essayist".
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