Dietrich Bonhoeffer gehört zu den populärsten Theologen. Sein Widerstand gegen Hitler hat weltweit Protestbewegungen inspiriert. Seine Briefe aus der Haft wurden als Neubeginn der Theologie gefeiert. Seine Hinrichtung hat ihn zum Märtyrer werden lassen. Wolfgang Huber stellt Bonhoeffers Denken in den Mittelpunkt dieses prägnanten Porträts und macht deutlich, warum seine mutigen Entscheidungen auch heute Ansporn sein können.
Im Juni 1939 wurde Dietrich Bonhoeffer in New York eine Dauerstelle angeboten, doch der junge Theologe, der bereits seine Lehrbefugnis verloren hatte, entschied sich gegen das Exil. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs kehrte er nach Berlin zurück, um für ein besseres Deutschland zu kämpfen. Es folgten Zeiten der Konspiration, Camouflage, Gefangenschaft, Einsamkeit und Zuversicht trotz allem. Wolfgang Huber macht deutlich, warum Bonhoeffers meistgelesene Schriften - die "Ethik" und "Widerstand und Ergebung" - nur unter diesen existentiellen Bedingungen entstehen konnten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.04.2019
Dass der ehemalige Bischof, EKD-Ratsvorsitzende und Bonhoeffer-Experte Wolfgang Huber die von ihm herausgegebene historisch-kritische Werkausgabe nun noch um ein Bonhoeffer-Porträt ergänzt, verbucht Rezensent Reinhard Bingener als Gewinn. Das Buch sei zwar kein Ersatz für die von Eberhard Bethge verfasste Bonhoeffer-Biografie aus dem Jahr 1967, warnt der Kritiker vor: Vielmehr liest er hier neben den Lebensstationen des evangelischen Theologen eine präzise Analyse und Fortführung von Bonhoeffers Denken, erkennt dabei, wie jener Strömungen aus der liberalen, barthianischen und lutherischen Tradition integrierte und die Konfrontation mit dem Nationalsozialismus suchte. Interessiert liest Bingener auch noch einmal nach, wie Bonhoeffer das gescheiterte Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 mitdachte und theologisch begründete. Wenn Huber Bonhoeffers Theorie dann allerdings für eine aktuelle Sozialethik weiterdenkt, verweist der Kritiker darauf, dass dessen Texte ihre "Dringlichkeit" vor allem aus den politischen und biografischen Umständen erhielten. Bonhoeffers Instrumentalisierung nach dem Krieg kann ihm Huber indes anschaulich darlegen, wenngleich er gern noch ein wenig mehr über dessen Wirkungsgeschichte erfahren hätte.
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