"Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt." Der berühmte Satz des damaligen Bundesverteidigungsministers Peter Struck im Dezember 2002 war Ausdruck eines neuen außen- und sicherheitspolitischen Selbstverständnisses der SPD. Der Weg dorthin war schwierig. Denn für die meisten Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten waren Auslandseinsätze der Bundeswehr noch Anfang der 1990er-Jahre unvorstellbar. Obwohl Aktivitäten der Bundeswehr außerhalb Deutschlands in der Sozialdemokratie immer sehr kritisch gesehen wurden, hat sich die Haltung der Partei zu "Out-of-area"-Einsätzen in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Vor allem die rot-grüne Bundesregierung traf von 1998 bis 2001 Entscheidungen, die tiefe innerparteiliche und strukturelle Veränderungen nach sich zogen. Das Kabinett Schröder stand vor der schwierigen Aufgabe, die außenpolitischen Traditionslinien der Partei fortzuschreiben und gleichzeitig den Ansprüchen der Bündnispartner gerecht zu werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.08.2012
Laut Petra Weber versucht der Autor mit seiner Studie, den Einfluss der friedenspolitischen Diskurse der 80er Jahre und der veränderten Herausforderungen um 1989 auf die politischen Konzepte der SPD zu erläutern. Weber folgt Michael Herkendell bei seiner Nachzeichnung der entsprechenden Positionen von 1945 bis 1989 und stellt fest, dass sie nicht alle seine Befunde teilen kann. So hält sie Kurt Schuhmacher nicht wie der Autor für einen Befürworter militärischer Neutralität. Und auch die Rolle des Godesberger Programms für eine gemeinsame Außenpolitik von Regierung und Opposition schätzt der Autor ihrer Meinung nach falsch ein. Dass Herkendell sich einerseits gegen eine übertrieben moralische Sicherheits- und Außenpolitik ausspricht, zugleich aber die Würde des Einzelnen als Orientierungspunkt sozialdemokratischer Politik empfiehlt, hält sie für in sich widersprüchlich.
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