Antonius liegt auf dem Platz vor der Kirche. Er hatte die Schmerzen nicht mehr ertragen, die Straße nach Padua war gepflastert und der Wagen hart gefedert. Jetzt liegt er da und sieht den italienischen Himmel. Und er erinnert sich an alles, was ihn hierhergebracht hat, von der Kindheit in Portugal bis in den Orden des heiligen Franziskus. - Michael Köhlmeier erzählt von einer sehr fernen Zeit, doch er macht uns den Bruder Antonius zum Zeitgenossen. In einer Epoche voller Gewalt fragt sich Antonius, wie kommt das Böse in die Welt? Habe ich etwas dagegen bewirkt mit meinen Reden? Köhlmeier erzählt von dem Menschen Antonius, und der geht uns alle an.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2017
Martin Oehlen fühlt sich betört von der "sanften Archaik" von Michael Köhlmeiers Novelle. Dass der Autor ein Meister der Sagen und Märchen ist, scheint sich für Oehlen mit diesem Text über den Heiligen Antonius von Padua zu bestätigen. Dergestalt, dass dem Rezensenten bald einerlei ist, was diesen Heiligen eigentlich zum Prosahelden prädestiniert. Wie der Autor das Denken des Hochmittelalters nachempfindet und die lückenhafte Überlieferung fantasievoll ergänzt, findet Oehlen bemerkenswert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.08.2017
Christoph Schröder entdeckt die Aktualität in Michael Köhlmeiers kleiner Novelle über den sterbenden Antonius von Padua: Antonius' Menschenfreundlichkeit gegen die Hassprediger von heute. Wie der Autor sich der Figur nähert, mittels eines die Gedanken des Sterbenden ordnenden Chronisten, verdichtet und dennoch weiter assoziativ, gefällt Schröder gut. Fragen nach dem Bösen und nach Gott erscheinen Schröder im rhetorischen Glanz des Predigers, weil der Autor selbst sparsam im Ton bleibt und der Text in seiner Figur aufgeht, wie der Rezensent erläutert. Dass der Autor dennoch eine erzählerische Metaebene findet, scheint Schröder stark.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.07.2017
Rezensentin Wiebke Porombka legt sich mit dem heiligen Antonius von Padua aufs Pflaster und lässt sich von Michael Köhlmeiers erzählerischer Gnade und Sanftmut tragen. Oder so ähnlich jedenfalls. Soll heißen: Die Rezensentin vertraut sich dem Autor an, wenn der wieder einmal gekonnt eine Figur der Weltgeschichte von ihrer privaten Seiten zeigt. Diesmal also der sterbende Antonius. Wie der Heilige seine Macht verliert, unversehens hilflos wird, zeigt Köhlmeier laut Rezensentin behutsam, anrührend und durchaus mit Witz. Vor allem wird die Szene vor den Augen des Lesers wahr, meint sie, und die großen Glaubenssätze über Liebe und Sünde stehen unvermittelt leer im Raum.
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