Grönemeyer

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2024
ISBN
9783103975857
Gebunden, 368 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Zum ersten Mal sah ihn die halbe Nation in dem Film "Das Boot". Dann kam der große Erfolg als Musiker mit "4630 Bochum", das zusammen mit "Mensch" bis heute zu den zehn meistverkauften Musik-alben in Deutschland gehört. Mit Versen wie "Gib mir mein Herz zurück / Bevor es auseinanderbricht" hat Grönemeyer deutsche Popgeschichte geschrieben. Wer aber ist Herbert Grönemeyer? Wie lässt sich die Wucht und Energie, auch das Tröstliche seiner Musik erklären? Wie gelang es ihm über Jahrzehnte hinweg, sich selbst treu zu bleiben? Und warum sieht man in ihm wie bei keinem anderen Star in Deutschland einen von uns? Auf der Grundlage zahlreicher Gespräche mit dem langjährigen Freund erzählt Michael Lentz von der Herkunft und Familie des Künstlers und beschreibt ein Leben im Zeichen von Musik und Literatur, Pop und Politik.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.12.2024
Wie man ernst und lustig zugleich über Popmusik schreiben kann, lernt Rezensent Jan Wiele bei dem Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Michael Lentz, der sich Herbert Grönemeyers Musik in einer anregenden Mischung von Biografischem und Musikalischem widmet. Interessant ist für Wiele, dass Lentz die biografischen Eckdaten nur punktuell nutzt, um etwa zu erklären, dass Grönemeyers Dichttechnik, von "Bananentexten" in Nonsense-Englisch auszugehen, wohl dem frühen Radiohören entspringt. So wird aus "And I said Ey Boleyn" dann schließlich "Der Mensch heißt Mensch", erfahren wir. Auch die charakteristische Grönemeyer-Stimme bekommt großes Gewicht - ein so persönliches wie anschauliches Buch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.12.2024
Ein tolles Buch über Herbert Grönemeyer hat Michael Lentz laut Rezensentin Judith von Sternburg geschrieben, eines, das auf Nähe des Autors zum Künstler basiert, aber doch stets die nötige Distanz wahrt. Das keineswegs in Feuilletonfloskeln schwelgende, vielmehr romanhaft erzählte, Buch arbeitet sich auch durch Grönemeyers Lebenslauf, geht unter anderem auf seine Schullaufbahn und seine weitgehend vergessene Filmkarriere ein, besonders beeindruckt zeigt sich Sternburg freilich von den Passagen, die sich den Arbeiten des Musikers an seinen Songs widmen. Nicht etwa der Text, sondern die Musik ist da das Primäre, erfährt die Rezensentin, tatsächlich arbeitet Grönemeyer zunächst mit Blindtext, erst wenn die Musik steht, wird an den Texten gearbeitet - dann freilich umso intensiver. Außerdem analysiert Lentz die Songs auch mit Blick auf Harmonie, diese Passagen werden der Rezensentin gelegentlich etwas zu lang. Inhaltlich sind sie jedoch treffend, wie überhaupt dieses Buch zeige, wie aus Zugewandtheit eine erhellende Perspektive entstehen kann.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 24.10.2024
Keineswegs eine handelsübliche Künstlerbiografie legt Michael Lentz mit seinem Grönemeyer Buch vor, freut sich Rezensentin Marie Schoeß. Zwar beginne Lentz klassisch mit Herbert Grönemeyers Kindheit, im Zentrum stehe aber die Frage, wie es dem Musiker gelingt, das Verhältnis von Sprache und Musik neu zu justieren. Lentz' Argumentation läuft auf eine Verteidigung der Unverständlichkeit heraus, Grönemeyers genuscheltes Singen lässt Popmusik komplexer werden, Voraussetzung dieser Komplexität wiederum ist die selbstbestimmte Arbeitsweise des Musikers, resümiert Schoeß. Sie erfreut sich an Passagen, die, zumeist in durchaus eingängiger Manier, Grönemeyers Musik analysieren, wie etwa die vielen Interjektionen - "oh", "uh" und so weiter - in seinen Liedern. Letztlich schreibt hier ein Künstler, Lentz, über einen anderen, Grönemeyer, findet Schoeß, und es gehe darum, wie der eine sich von der Kunst des anderen direkt angesprochen fühle. Insofern ist das ein tolles Buch über Kunstproduktion, schließt Schoeß, ein Buch gleichzeitig über Klang und Sprache.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.09.2024
Rezensent Hilmar Klute findet mit Michael Lentz' Buch eine Art neues Genre vor: Denn die Biografie über den deutschen Sänger sei keine Biografie im herkömmlichen Sinne, sondern erschließe sich diese eher indirekt über eine minutiöse Analyse des gesamten textlichen und musikalischen Werks von Grönemeyer. Dabei fahre der Autor, der selbst Dichter ist, schwere musiktheoretische und literaturästhetische Geschütze auf und nehme sämtliche Lieder mit fast "manischem" Interesse für Details auseinander, was der Kritiker meist sehr erhellend und nur manchmal etwas übertrieben findet - bei den Ausführungen zur "achttaktigen Oh-Vokalise" etwa schaltet er ab. Insgesamt jedoch findet er höchst eindrücklich, wie Lentz seine ganz persönliche Grönemeyer-Faszination fachlich versiert und "mönchisch" diszipliniert in eine Studie verwandelt, die über strikte Formanalyse einen Weg dazu findet, warum Grönemeyer so prägend für eine "deutsche Mentalitätsgeschichte" ist und zwischen emotionaler Nahbarkeit und unterschwelliger politischer Bestandsaufnahme seine einzigartige Wirkung entfaltet - für Klute kam noch niemand so nah an das Phänomen Grönemeyer heran wie Lentz mit diesem Buch.