Die Arabische Welt und der Westen: eine Geschichte von Vorurteilen, von Missverständnissen - und von gegenseitiger Faszination. Ein Buch über eine Region, in der der Schlüssel zum Frieden zwischen Völkern und Religionen liegt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.06.2004
Für offensichtlich schlüssig und nachvollziehbar hält Rupert Neudeck die Vorgehensweise, mit der Michael Lüders in seinen Berichten aus arabischen Ländern für ein Verständnis der dortigen Gesellschaften wirbt. Ein Plädoyer gegen die im Westen verbreitete Vorstellung, die eigene Lebensweise für die bessere zu halten. "In bester journalistischer Tradition" hat der Autor die Begegnung mit den einfachen Menschen auf der Straße gesucht, lobt Neudeck. Was er sich dabei selbst abverlangt hat, gibt er an die Leser weiter, die dann auch "schwer verdauliche Brocken" wie den Bericht über eine Hinrichtung nach den Gesetzen der Scharia verkraften müssen. Dass er für Verständnis etwa für die Situation der Palästinenser wirbt, macht ihn nicht zu einem Apologeten des Terrors, wie der Rezensent betont. Lüders versuche nur, "Brücken zu bauen".
Die große Stärke von Michael Lüders Buch ist es, lobt die Rezensentin Edith Kresta, dass der Autor über seiner Liebe zur arabisch-israelischen Welt keine Kompromisse in der Kritik an den gegenwärtigen Regimes, am desolaten Zustand der Gesellschaften eingeht. Freilich belasse er es nicht bei der Kritik, sondern diskutiere "sachlich und differenziert nach vorn", etwa wenn er der westlichen Politik vorhält, dass sie lieber mit autoritären Regimes gemeinsame Sache macht als mit den unbequemen Nichtregierungsorganisationen. Am wichtigsten, so seine von Kresta mit Nachdruck unterstützte These, wäre es, das "katastrophale Bildungswesen" durch finanzielle Unterstützung zu verbessern. Ganz ungeschoren kommt das Buch, mit dem die Rezensentin offenkundig sehr sympathisiert, dann aber doch nicht davon: In Lüders' gelegentlich aufblitzendem Wunsch, die arabischen Gesellschaften als Gegenentwurf zum westlichen Kapitalismus zu betrachten, sieht sie eine Naivität, die die materialistischen Realitäten der Gegenwart geflissentlich übersieht.
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