Band 6 der Reihe betrachtet die Institutionen, die sich der Bewahrung von Überresten und Zeugnissen aus der Vergangenheit, der Erforschung von Geschichte, der Geschichtsschreibung sowie ihrer Verbreitung widmen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.05.2002
Die totgeglaubte Institution des Archivs erlebt eine wundersame Auferstehung im intellektuellen Diskurs. Gründe dafür sieht Ulrich Raulff in den zeitgeschichtlichen Archivfunden der jüngsten Zeit, die auf starkes Interesse in der Öffentlichkeit gestoßen sind, und in der Horizontalisierung und Demokratisierung der hierarchisierten Wissensordnung durch PC und Internet. Diese lässt aber das Wissen unstrukturiert und beschleunigt de facto sein Verschwinden. Darüber wird jetzt nachgedacht, so Raulff, und das auf den Spuren von Foucault und Derrida, die das Archiv als "Ort der Wahrheit und der Fiktion, des bürokratischen Fantasmas wie der poetischen Inspiration" heraufbeschwören. In der Reihe von Publikationen zum Thema "Archiv", die Raulff betrachtet, macht er jedoch nur zwei Diskursarten aus: Präzision und Prätention. Präzision bescheinigt er Eckhardt G. Franz' Beitrag zu dem Band "Institutionen" und nennt ihn ein "Musterbeispiel" für die "klassische Geschichte der Archive als Institutionengeschichte". Franz spannt den Bogen von der "Entstehung des Archivwesens in der Antike" zu einer "eigenen Archivwissenschaft in der Moderne". Raulff lobt die Darstellung der "sich wandelnden Funktionen, Orte und Ordnungen des Archivs", der juristischen und politischen Aspekte, und der medienbedingten Erweiterung des Sammelauftrags. Nur schade, meint Raulff, dass die aktuellen technischen und politischen Probleme - veraltete Trägersysteme und schwer zugängliche Archive - nicht angesprochen werden.
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