Am 25. April 1983 präsentierte der "Stern"der staunenden Öffentlichkeit seinen Sensationsfund: die Hitler-Tagebücher. Nur kurze Zeit später entpuppten sie sich als Fälschung, und der größte Presseskandal der Bundesrepublik war geboren. Aber wie konnte es dazu kommen? Michael Seufert, damals Redakteur beim "Stern", kennt alle Beteiligten. Detailliert berichtet er, warum ausgerechnet im Fall der Hitler-Tagebücher alle normalen Kontrollmechanismen beim "Stern" versagten.
Als "detail- und facettenreich" lobt Rezensent Ernst Elitz dieses für ihn in jeder Hinsicht aufschlussreiche Buch über einen der größten Medienskandale der Bundesrepublik. Denn der ehemalige Stern-Redakteur Michael Seufert belege darin beinahe "lehrbuchhaft", welch desaströse Folgen es haben könne, wenn die normalen journalistischen Kontrollmechanismen außer Kraft gesetzt seien, und Verlag und Redaktion statt mit- gegeneinander arbeiteten. Ein wenig bedauert Elitz allerdings, dass Seufert in seinem Buch nicht auch die Frage näher behandelt hat, warum die Figur Hitlers Anfang der Achtziger Jahre noch solche Faszination hat ausüben können. Hier nämlich hat Seufert aus seiner Sicht die Chance vertan, auch ein Kapitel bundesrepublikanische Mentalitätsgeschichte zu schreiben. Auch das Zusammenspiel west- und ostdeutscher Geheimdienste und der Stern-Redaktion in der Affäre schreit aus seiner Sicht noch nach einem Sachbuchthriller zum Thema.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.04.2008
Einen "mit großer Verspätung vorgelegten Aufklärungsbericht" sieht Dorothea Heintze in Michael Seuferts Buch über die gefälschten Hitler-Tagebücher, mit deren Präsentation sich der "Stern" vor 25 Jahren zum Gespött der Nation machte. Die ganze Geschichte erscheint ihr auch heute noch haarsträubend. Besonders die Naivität der Beteiligten und ihre Faszination für die angeblichen Hitler-Tagebücher sind für sie erscheckend. Abstoßend findet sie die Abschnitte, in denen berichtet wird, wie der Star-Reporter Heidemann Kollegen und Chefs auf seine Göring-Yacht einlädt, um seine Nazi-Devotionalien zu präsentieren. Deswegen zeigt sie sich auch skeptisch gegenüber Seuferts zentraler These, die Chefredaktion sei vom Verlagschef nicht informiert worden, habe nicht eingreifen können und sei von den Ereignissen überrollt worden. Ansonsten bescheinigt sie dem Autor, "akribisch" den Gang der Ereignisse zu rekonstruieren. Allerdings wird es ihres Erachtens schnell unübersichtlich. Sie vermisst vor allem ein Stichwortregister und eine Einordnung durch den Autor in einem längeren Vor- oder Nachwort.
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