In den vergangenen vier Jahrzehnten hat der Fußballsport eine rasante Entwicklung durchlaufen. Aus Wochenendkicken ist Hochleistungssport, aus Amateurspielern sind Profifußballer, aus einem Stadion-Spektakel für Fans ist ein Medien-Event für Millionen geworden. Bedeutende Spieler und zahllose Sportbegeisterte haben an dieser Entwicklung teilgehabt. Aber nur einer hat als Visionär und Multitalent ununterbrochen und souverän alle Bereiche wesentlich geprägt: Franz Beckenbauer. Vom Fußballvolk zum "Kaiser" geadelt, von der Presse als Lichtgestalt bezeichnet, ist er längst zur Sportlegende geworden.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 08.12.2005
Mit mildem Spott bedeckt der Rezensent Helmut Böttiger diese Kaiser-Biografie. Torsten Körner zeige sich "auf der Höhe aller Diskurse", alterniere zwischen "Augenzwinkern" und "einer gewissen journalistischen Distanz", und ziehe die Konsequenzen daraus, dass Fußball neuerdings zur Kultur im weitesten Sinne gezählt werden darf: Franz Beckenbauer wird dreißig und schon lässt der Autor Ingeborg Bachmann mit einem Zitat aus ihrem "Dreißigsten Jahr" aus dem Gebüsch springen. Gemessen an all diesen formalen Kniffen und "Schattierungen", liest sich die Kern-Erkenntnis dann doch recht platt: "Franz ist ungreifbar." Körners Kaiser-Biografie ist eben doch nur eine den "gesellschaftlichen Konsens" umschmeichelnde "zeitgemäße Hagiografie".
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