Die Studentin Christa Wolf tippt in ihrer Leipziger Wohnung einen Brief. Sie interessiert sich für die autobiographischen Züge in Falladas Werk - und bekommt von dem Dichter und Funktionär Johannes R. Becher, der sich zuletzt aufopfernd um den alkohol- und morphiumsüchtigen Autor gekümmert hat, nur eine ausweichende Antwort. An welche Tabus hatte ihre Frage gerührt?Michael Töteberg gibt eine literarische Antwort auf den Brief der jungen Wolf und erzählt von Falladas Stunde null zwischen zwei Frauen, von alten Dämonen und neuen Horizonten und von der unvergleichlichen Kraft der Literatur. Eine herzzerreißende Geschichte von universeller Gültigkeit über die menschlichen Abgründe - und eine Liebe, die dagegen ankämpft. Mit den bislang unveröffentlichten Briefen von Hans Fallada an seine zweite Frau
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.12.2021
Rezensent Jörg Magenau entdeckt in Michael Töteberg "romanhafter" Fallada-Annäherung einen neuen, spannenden Weg zu dem Schriftsteller und seinem Werk. Dass sich der Autor auf die Zeit zwischen Ende 1945 und Falladas Tod Anfang 1947 beschränkt, kommt dem Text laut Magenau zugute. Ebenso Tötebergs Entscheidung den literarischen Freiraum zu beschränken und sich der Figur und seinen prekären Verhältnissen dokumentarisch zu nähern. Falladas Geldnöte, seine Morphium-Sucht und das kulturelle Berlin der frühen Nachkriegszeit werden für den Rezensenten erfahrbar. Benn, Becher, Falladas Frauen und die Verlagswelt des damaligen Berlins haben ihre Auftritte, meint er.
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