Herausgegeben von Uli Ditzel. Von seinen vielen Seiten zeigt Fallada hier die privateste: den Vater. Seine Briefe spiegeln unmittelbar sein Alltagsleben in den schweren Jahren von 1940 bis 1946 wider. Als der Sohn Uli 1940 von der Dorfschule in Carwitz auf das Gymnasium nach Templin in der Uckermark wechselt und im Internat leben muss, verspricht ihm der Vater, jeden Sonntag einen Brief zu schreiben.Bedingung ist, dass auch Uli jede Woche schreibt. Falladas Briefe an den Sohn sind liebevoll, lustig und kameradschaftlich, und, wenn es sein muss, auch ermahnend. Er lässt ihn teilhaben am Leben in Carwitz, erzählt von den Geschwistern, seiner Arbeit auf dem Hof und mit den Tieren, von seinen Sorgen, den Kriegsalltag zu bewältigen. Uli berichtet von der Schule, von Freunden, von Luftalarm und schlechtem Essen. Ein starkes, inniges Verhältnis bindet beide, das durch die Scheidung der Eltern zunächst kaum beeinträchtigt wird. Es brach erst, als der Sohn in den beiden letzten Lebensjahren des Vaters Zeuge der Morphiumsucht und des Verfalls wurde.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.10.2004
Diese Briefe stammen aus den Jahren 1940 bis 1946, und für den größten Teil dieser Phase, so Albert von Schirnding, war das Verhältnis zwischen Hans Fallada und seinem ältesten Sohn Uli Ditzen noch in Ordnung. Der Sohn war im Internat, der Vater zu Hause in der abgelegenen Idylle von Carwitz. Das Fallada "bis zur gelegentlichen Unzurechnungsfähigkeit" nervenkrank war, hinterlässt keine vordergündigen Spuren in der Korrespondenz der beiden, nur im Hintergrund hörte der Rezensent den zerrütteten Zustand des Vaters "kontrapunktisch" erklingen. Viel sagt er ansonsten nicht zu den Briefen, nur dass ihr größter Reiz nicht in den Informationen liegt, die sie enthalten, in der Dokumentation von etwas, dass das Private und Spezifische übersteigt: die Beziehung zwischen "dem Vater und seinem zunächst zehnjährigen, schließlich fünfzehnjährigen Sohn".
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