Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.08.2002
Bemerkenswert an diesem Sammelband findet Karol Sauerland, das er zeigt, "wie schwerfällig projektgebundene, von Stiftungen finanzierte Forschungsunternehmungen sein können". Offenbar bereits vor drei Jahren in Druck gegeben, muss dieser Band leider die neuesten Forschungsergebnisse unberücksichtigt lassen. Aber als durchaus interessant schildert Sauerland, wie an der Wende von 18. zum 19. Jahrhundert die jeweiligen Machthaber versuchten, wieder mehr Einfluss auf das sich selbst regulierende Gemeindewesen mittels neuer "Policey-Vorschriften" und eines neuen Anzeigeverhaltens zu gewinnen, bei dem Anzeigen und Gerüchte nicht immer zu unterscheiden waren. Von diesen Phänomenen lieferten die einzelnen Studien eine "seriöse Darstellung", meint Sauerland, insbesondere zu der Verflechtung der Beamten untereinander, ihrer gegenseitigen Kontrolle und der Beziehungen zwischen Beamten und jenen Bürgern, die etwas zutragen wollten. Dennoch zeigt sich der Rezensent von dem Band nicht ganz überzeugt. Viele Autoren des Bandes gingen "etwas leichtfertig" mit dem Wort Denunziation um, obwohl Renate Blickle in der Einleitung eine "ausgezeichnete historisch-semantische Analyse" der Begriffe Denunziation, Delation, Rüge und Anzeige biete. Außerdem moniert Sauerland den irreführenden Titel: "Staatsbürger als Spitzel" tauchten so gut wie gar nicht in dem Buch auf.
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