Herausgegeben von David Gugerli und Hannes Mangold. In seinem letzten Typoskript verarbeitete Max Frisch auf sehr persönliche Art und in einer für ihn typischen literarischen Form jenen Skandal, der die Schweiz 1989/1990 erschütterte: Fast eine Million Einwohner war während des Kalten Krieges vom schweizerischen Staatsschutz observiert worden. Auf individuell angelegten Karteikarten oder "Fichen" hatte die Bundesanwaltschaft eine eigene Verdachtschronik produziert, deren grotesk banaler Charakter den Skandal nur verstärkte. Frischs Arbeit an der eigenen Akte fand 1990 statt, im Vorfeld der umstrittenen 700 Jahrfeier der Eidgenossenschaft statt. Fast ein halbes Jahrhundert nach Stiller sah sich Frisch gezwungen, die Frage nach dem Verhältnis von Lebensgeschichten und Identität nochmals aufzunehmen. Er rückte dem Strandgut des analogen Überwachungsapparates mit Schere, Tacker und Schreibmaschine auf den Leib. Die dabei entstandene Collage ist die Abrechnung mit der Ignoranz, nicht nur des Staatsschutzes. Und damit erweist sie sich als eminnent aktuell. Sie wird hier zum ersten Mal veröffentlicht.
Barbara Möller ist schockiert über die Bitterkeit, die aus diesem letzten, nicht zur Veröffentlichung bestimmten Werk von Max Frisch spricht. Bitterkeit über eine Heimat, die ihn, den Schriftsteller, wie 650.000 weitere Eidgenossen auch wie einen Staatsfeind behandelt und über ein halbes Leben hinweg ausspioniert hat. Ein Schweizer Skandal, dem Frisch laut Möller in diesem Buch seinen beißenden Kommentar hinterherschickt. Die so entstandene Collage aus den Staatsschutz-Karteikarten und den Korrekturen und Anmerkungen des Autors liest Möller als Protest eines auch im Todeskampf noch geistig alerten Engagierten. Die Ernüchterung des Autors kann Möller aus der Empörung heraushören.
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