Aus dem Russischen und mit einem Nachwort von Thomas Reschke. Sostschenkos satirische Erzählungen malen ein vordergründig lustiges, in Wahrheit jedoch bitterböses Panoptikum menschlicher Unzulänglichkeiten. Es geht um Behördenschikanen, Wohnungsmangel, Habgier und Kleinkariertheit sowie die Schwierigkeiten mit dem anderen Geschlecht - um die ewigen Unwerte, die kleinen Freuden des Alltags und ums Durchwursteln durch die Weltgeschichte...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2004
Der seines Lebens nie frohe sowjetische Satiriker Michail Sostschenko ist heute kaum mehr bekannt. In der DDR gab es zuletzt 1980 eine Auswahlausgabe, deren Übersetzer Thomas Reschke hat nun diese Sammlung besorgt. Sostschenko ist, wie der Rezensent Ralph Dutli feststellt, durchaus eine Wiederentdeckung wert. Seine Beliebtheit in den zwanziger Jahren rührte von der Beschreibung der Verhältnisse im Proletarierstaat, und der subtilen, wenn auch selten ganz dingfest zu machenden Kritik, die er in genauen Beobachtungen der nicht so glanzvollen Seiten daran übten. Dabei hielt der Autor, schreibt der Rezensent, "wunderbare kleine Freiräume wach". Gegenwind von Staatsseiten erfuhr Sostschenko erstmals im Umbruchsjahr 1929, eine Schmähschrift des ZK-Funktionärs Schdanow aus dem Jahr 1946 brach den psychisch immer schon labilen Autor endgültig.
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