Aus dem Slowakischen von Mirko Kraetsch. Michal Kirchner ist Sprössling einer ungewöhnlichen Familie. Geboren aus der Zweckehe seiner homosexuellen Eltern muss er schon als Kind die skrupellose Überwachung durch den tschechoslowakischen Geheimdienst miterleben. Er flieht in den Westen und kehrt erst als junger Erwachsener in seine Heimatstadt Bratislava zurück. In der Metropole des neuen Turbokapitalismus beginnt seine Karriere in einem Begleitservice für reiche Managergattinen aus dem Westen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.05.2009
Für Kolja Mensing ein fast perfektes kapitalistisches Märchen, was der junge Autor da vorlegt. Erst erinnert Mensing das Buch in Form eines "frivolen Schelmenstücks" an die fetten Jahre, und als die vorbei sind, lässt Michal Hvorecky die Callboykarriere seines Helden aus "Boomtown Bratislava" in ein "emotionales Konjunkturprogramm" münden. Prima! Nicht ganz so prima, sondern überflüssig findet Mensing die vom Autor eingestreuten diskursiven Brocken. Auf kulturwissenschaftliche Theorien westlicher Prägung, meint er, kann dieser streckenweise an Houellebecq erinnernde "gutgelaunte" Roman allerdings auch locker verzichten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.03.2009
Sehr enttäuscht wirkt Lothar Müller von diesem Roman des slowakischen Autors Michal Hvorecky, denn nach seiner Anlage habe Buches durchaus das Zeug zu einem veritablen "Schelmenroman" über den "entfesselten Kapitalismus" in postkommunistischen Zeiten. Michal Kirchner, der 1996 in der Überzeugung, dass in Osteuropa seit 1989 alles zur Ware geworden ist, Callboy wird, erzählt von seinem Aufstieg in der Agentur "Eskorta", dem der Abstieg in Drogensucht folgt und ihn schließlich als Werbetexter in Berlin landen lässt. Ein "verkappter Thesenroman", so der Rezensent missvergnügt, der den durchaus vielversprechenden Stoff durch die witz- und fantasielose Rollenprosa verschenkt sieht und dessen Held, wie er moniert, einen allzu "beschränkten Horizont" aufweist. Während die Bettszenen sich durch Klischees auszeichnen, dräut, wenn die Hauptfigur sich schließlich verliebt, handfester Kitsch, so Müller schaudernd. Und weil Kirchner, wie der Rezensent kritisiert, nicht das sprachliche Format eines grotesken Helden aufweist, so pumpt Hvorecky zumindest die Handlung durch immer absurdere Wendungen auf, denen Müller dann aber nicht mehr wirklich zu folgen bereit ist.
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