Aus dem Französischen von Arne Klawitter und Jonas Hock. In den hier erstmals vorgelegten Texten verhandelt Foucault die Beziehungen zwischen der Sprache des Wahnsinns, der Literatur und dem, was er ihre "Kritik" nennt. Mit Shakespeare und Cervantes greift er das Hereinbrechen des Wahnsinns in die Literatur auf, gibt am Beispiel von Homer und Proust eine Einführung in sein eigenes literaturontologisches Denken und zeigt sich zugleich ganz als Literaturarchäologe. Im Spannungsfeld der permanenten Überschreitung einer außer sich geratenen Sprache und dem Trugbild eines "Buches", das, um Literatur zu werden, seine eigene Existenz bestreiten muss, entwirft Foucault das Bild einer Literatur, die sich der Repräsentation entzieht und zugleich die sie verdoppelnde Sprache der Kritik ermöglicht. Dabei geht er das Risiko ein, eine "andere Ordnung" zuzulassen, um der modernen Erfahrung der Literatur Raum zu geben und den historischen Augenblick ihrer Entstehung zu konkretisieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2015
Die hier versammelten Texte von Michel Foucault zu Literatur und Wahnsinn würde Andreas Mayer gerne als historisch-kritische Auseinandersetzung mit Foucault lesen. Allerdings hat er eher den Verdacht, die enthaltenen Texte seien nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Kanonisierung des Autors. Was Foucault 1964 in einer Vorlesung über de Sades Schreibweise der Überschreitung zu sagen hat, scheint ihm dennoch interessant, kann er doch feststellen, wie sich die Einschätzung des Autors zu de Sade mit der Zeit wandelte.
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