Der stets verlorene Kampf
Gedichte

DuMont Verlag, Köln 2026
ISBN
9783755801146
Gebunden, 112 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Stephan Kleiner. "Es gibt Tage, da geht es, und es gibt Tage, da geht es nicht, aber leben muss ich jeden Tag." In Michel Houellebecqs Beschreibung der Welt als unwirtlichem Ort liegt eine Wahrheit, die sich nicht verdrängen lässt. Die Auflösung des Ich im Zeitalter der Digitalisierung, die Abwesenheit von Liebe, der Verfall, Alter, Tod - das sind seine Themen, die nicht an Aktualität verlieren. In 38 Gedichten und Texten lotet Houellebecq die Verlorenheit des Menschen aus und lässt zugleich nicht von der Hoffnung auf Wandel ab.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 17.09.2026
Rezensent Dirk Schümer empfiehlt Michel Houellebeqcs Gedichte all jenen, die gern in Weltuntergangstimmung baden. Und alle anderen sind jedenfalls "schnell durch" mit dem schmalen Band, in dem der Franzose sich einmal mehr genüsslich den Themen Tod, Schmerz und Hoffnungslosigkeit hingibt, dabei die Anspielungen auf Bedrohungen durch den Islamismus allerdings dieses Mal eher vage hält. Dafür gibt es deutliche Anspielungen auf den Untergang des antiken Rom, meisterhaft verbunden mit dem Sinnieren über die eigene Vergänglichkeit, versichert Schümer. Noch deutlicher wird der Autor dann, wenn er unter dem Fazit "Oft stinkt die Welt" über "vergeblichen Ejakulationen" und "verstopfte Harnleiter" nachdenkt, warnt der Kritiker vor. Aber auch einen "verkappten Romantiker" erkennt Schümer in den Gedichten, die auch die Möglichkeit eines "postmodernen Paradieses" lassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.09.2026
Rezensent Björn Hayer warnt eindringlich vor der Lektüre der neuen Gedichte von Michel Houllebecq. Der Autor malt ein mörderisches, finsteres Bild der Gegenwart mit Bürgerkriegen, Feuersbrünsten und Mörderbanden. Auch die Erlösung, die sich Houllebecq vorstellt, hat für Hayer Ekelcharakter: Rettung gibt es nur durch die Ejakulation des lyrischen Übermenschen-Ich. So weit, so schauderhaft. Doch neben Splatter und pathetischem Erlösungsfantasma bieten die Verse laut Hayer auch allerhand Selbstironie und sogar rührende Melancholie, wenn der Dichter über die Einsamkeit des Cyberspace und des Pflegebetts berichtet. Als Zerrbild einer "polarisierten Epoche" eigentlich gar nicht so schlecht getroffen, meint Hayer, der auch den Vergleich mit Baudelaires "Feier des Hässlichen" nicht scheut.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.09.2026
Rezensent und Literaturprofessor Niklas Bender schöpft neue Houellebecq-Hoffnung: nach den letzten Roman- und Interview-Desastern legt der Autor einen düsteren, aber guten Gedichtband vor, mit denen er zurück zu seinen lyrischen Wurzeln findet, freut sich Bender. Es geht, wie immer, um Angst, Tod, Tabletten und Sex; um den Sex diesmal jedoch als bloße Erinnerung an etwas Verlöschendes, um den Tod hingegen als physisch explizite Realität. In diesen Abweichungen gelingt Houellebecq etwas zwar im restlichen Werk verwurzeltes, aber angenehm Neues, findet der Kritiker; er lobt besonders die Ironisierung etwa in einer "Gesichtsejakulation" und das endlich wieder durchscheinende "Schwebend-Exzentrische", das er an Houellebecq so schätzt. Interessant findet er außerdem den ersten Teil des Bandes, der mit der Rede von Überlebenden, schrecklichen Ereignissen und bedrohlichen "Barbaren" eine kollektive Dimension eröffnet, bevor es im zweiten Teil in die "individualistisch-realistische" Verfallsdokumentation geht. Parallelen zu Baudelaires "Blumen des Bösen" gebe es auch. Ein wenig bedauerlich, dass in der präzise-wörtlichen, aber nicht metrischen Übersetzung von Stephan Kleiner einiges an "Charme" verloren geht - dennoch glaubt Bender nach dieser "Rückbesinnung" wieder an einen letzten "schönen Roman".
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 12.09.2026
Endzeit-Prophezeiungen, Deprimismus, Lebensekel - wenig überrascht ist Rezensent Dirk Fuhrig von der Stimmungspalette, mit der Michel Houellebecq in seinem Lyrikband aufwartet. Finsterer denn je werden die Ängste der "Abendländer" beschworen, die "feindlichen Eroberer" beäugt, und die Menschen zum "Aufgeben" aufgefordert - für den Kritiker ist das eine "dick aufgetragene Zivilisationskritik", die für den Kritiker zumindest auf den ersten Blick ein weiteres Mal von Houellebecqs "Rückwärtsgewandtheit und Rechtslastigkeit" zeugen. Auf den zweiten Blick scheint Fuhrig den auch stark an Mallarmé und Baudelaire erinnernden Gedichten aber eine "abgrundtiefe Traurigkeit" zu entnehmen, die besonders schön, nämlich als "beschwingte Melancholie", in der Vertonung der Gedichte durch den Musiker Frédéric Lo zum Vorschein komme - und leider in der allzu wortgetreuen und deshalb eher "hölzernen" Übersetzung von Stephan Kleiner verloren gehe.