Michel Ruge wuchs im Hamburger Rotlichviertel St. Pauli auf. Als er in den Neunzigern seiner alten Heimat den Rücken zukehrt und in das pulsierende Berlin der Nachwendezeit zieht, glaubt er, aufgrund seiner Herkunft alle Freuden und Abgründe des Lebens bereits zu kennen. Doch Berlin erweist sich als das weitaus heißere Pflaster. Michel Ruge wird Türsteher in den angesagtesten Clubs in Berlin-Mitte. Dort bekommt er es nicht nur mit den Berliner Bandenbossen zu tun - er lernt auch die ungeahnte sexuelle Freizügigkeit des Berliner Nachtlebens kennen. Es sind die neunziger Jahre, Berlin ist hip, es gibt unzählige illegale Clubs, und alle sind wie im Rausch. Erst als das exzessive Treiben in seinem engsten Bekanntenkreis Opfer fordert, zieht Michel Ruge die Reißleine. "Große Freiheit Mitte" ist das Memoir eines wilden Lebens in einer wilden Zeit und zugleich das schillernde Porträt der legendären Berliner Nachwendezeit - einer Zeit, die viele magisch anzog und die den Ruf des heutigen Berlins begründete.
Rezensent Wolfgang Büscher hat sich gern von der rauschhaften Anarchie des Berliner Nachwende-Nachtlebens anstecken lassen, die ihm der Schauspieler, Kampfsportler und Türsteher Michel Ruge hier beschreibt. Der Kritiker begleitet Ruge zu Kreuzberger Vernissagen, illegalen Techno-Partys hinter rostigen Türen, spürt die Energie, die als "kondensierter Schweiß" von der Decke tropft und erlebt, wie Ruge tagsüber hart trainiert und sich nachts dem hedonistischen Sog der Stadt hingibt. Frei von "pharmazeutischen Räuschen" und deshalb ein brillanter Beobachter, der immer einen Schritt neben dem Geschehen steht, hat der Autor dem Kanon der klassischen Berlin-Literatur ein neues und inzwischen auch schon wieder vergangenes Kapitel hinzugefügt, lobt der Rezensent.
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