Rechtsruck im Osten, Verzagtheit im Westen. 35 Jahre nach der Einheit steht die deutsche Demokratie am Scheideweg: Stellen wir uns den Freiheitsaufgaben oder geben wir unsere Freiheit auf? Ein Appell gegen die Lockrufe nach autokratischer Entmündigung und für eine kategorische Ablehnung der Mutlosigkeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2025
Rezensent Christoph David Piorkowski liest Marko Martins Essay trotz einiger Schwächen insgesamt gern. Der in der DDR geborene und aufgewachsene Autor, der mit einem unversöhnlichen Auftritt in Schloss Bellevue für Furore sorgte, setzt hier, ist zu lesen, zu einer Verteidigung der Freiheit an und greift dafür auf seinen eigenen Lebenslauf zurück. Insbesondere seine Prägung durch Dissidenten und freiheitliche Denker wie Adam Michnik und Ralph Giordano spielt eine wichtige Rolle in diesem Buch, erfahren wir von Piorkowski, außerdem möchte der Autor zeigen, wie die Verbindung vieler Deutscher zu NS- und Stasidiktatur das Selbstverständnis vieler Deutscher immer noch prägt. Auch die mangelhafte Differenzierung zwischen Tätern und Opfern im Ukraine- und Gazakrieg, die sich als fehlgeleitete Friedenssehnsucht manifestiert, wird von Martin Piorkowski zufolge angegriffen. Etwas arg unwirsch geht Martin allerdings gegen seine politischen Gegner vor, findet der Rezensent, außerdem tritt er laut Kritiker zu sehr als "Nonkonformist" auf, auch, was die Stringenz der Argumentation betrifft, meint der Rezensent. Dennoch zieht er ein positives Fazit: Martins Streitschrift zeigt den Wert der liberalen Demokratie auf und macht deutlich, warum es wert ist, sie gegen Angriffe nicht zuletzt von Seiten einer Linken, die autoritäre Regimes toleriert, zu verteidigen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.09.2025
Einen zumindest in Teilen ziemlich unangenehmen Essay legt Marko Martin hier vor, findet Rezensent Jens Schneider. Der Schriftsteller und Journalist schließt laut Schneider an die viel kommentierte Rede an, die er im November 2024 im Schloss Bellevue hielt und in der er Bundespräsident Steinmeier dessen lasche Haltung zu Wladimir Putin vorgeworfen hatte. Der schriftliche Nachklapp dieses durchaus im guten Sinne aufrüttelnden Auftritts beginnt mit biografischen Passagen, die sich mit Martins Aufwachsen in der DDR, der Ausreise in den Westen und der Bewunderung des Autors für antitotalitäre Dissidenz beschäftigen. Das, insbesondere Ausführungen zu Vorbildern Martins wie Ralph Giordano, sind denn auch die Passagen im Buch, die Schneider gefallen. Weitaus weniger angetan ist er von jenen Teilen des Essays, in denen der Autor undifferenziert über die vermeintliche Gegenseite herzieht, zu der neben Politikern wie Kurt Biedenkopf und Regine Hildebrandt auch Literaten wie Heiner Müller und Christa Wolf zählen. Regelrecht unverschämt und auch intellektuell nicht gut unterfüttert seien Attacken auf Steinmeier oder auch einen Mitarbeiter des Bundespräsidenten. Polemische Zuspitzungen, die im mündlichen Vortrag Sinn ergeben, kommen in der Verschriftlichung, urteilt der Rezensent, vor allem anmaßend rüber, und auch einige politische Thesen Martins etwa hinsichtlich der Wahlerfolge der AfD lassen Differenzierung vermissen. Schade!
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