100 Jahre nach dem Genozid an den Armeniern (1915/16) kommen in diesem Buch Überlebende zu Wort. Sie berichten von den Deportationen, von Todesmärschen, Hunger, unvorstellbarer Gewalt und bitteren Verlusten. In ihren biografischen Rückblicken suchen sie eine Einordnung für eine Erfahrung, die keine Worte kennt. Die Lebensberichte wurden über einen längeren Zeitraum im Rahmen eines Oral History-Projekts aufgezeichnet und werden jetzt, nach dem Tod der Gesprächspartner, zum ersten Mal als Buch publiziert. Sie bezeugen den Verlust von Kindheit und Familie, von Hoffnungen und Zukunft. Doch gewähren sie auch einen Einblick in die Schwierigkeiten, einen Alltag zurückzugewinnen und ein Leben als Flüchtling zu bewältigen. Bestimmt werden die lebensgeschichtlichen Erzählungen dieser letzten Zeitzeugen vom "Gehen und Gehen" während der Deportation, das über von Leichen gesäumte Wege führte, das Hunger war und brutalste Gewalt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.03.2016
Mihran Dabags und Kristin Platts Buch besticht für Christiane Schlötzer durch seine Zurückhaltung. Dass die beiden Autoren die gesammelten Berichte von Überlebenden des Völkermords am Volk der Armenier nahezu unbearbeitet und also mitunter fragmentarisch wiedergeben, Gespräche mit sehr alten Menschen, die als letzte Zeugen das erlebte Grauen schildern, scheint Schlötzer bemerkenswert. Die so erhaltene Unmittelbarkeit findet sie sehr eindrucks- und schmerzvoll. Glossar und Karten erleichtern ihr das Verständnis und machen den Band für sie zu einem herausragenden Beispiel für Oral History.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.12.2015
Ein Schatz ist das Buch für Manuel Gogos. In den über Jahre entstandenen Interviews mit Opfern und Zeugen des Genozids an den Armeniern, geführt von Mihran Dabag seit Beginn der 1990er Jahre und nun laut Gogos behutsamst ediert von Dabag und Kristin Platt, erkennt der Rezensent viel mehr als ein Mittel gegen die Leugner des Völkermords. Für Gogos wird damit das kollektive Schicksal eines Volkes offenbar, teils in lebendigen Schilderungen, teils durch kindlich schlichtes Erzählen. Darüber hinaus scheint die Schilderung der Todesmärche aus kindlicher laut Rezensent aber auch die wichtige Funktion zu erfüllen, den Opfern ein Stück ihres Lebens zurückzugewinnen. Vor dem "skupulösen" Umgang der Herausgeber mit diesem Schatz hat Gogos allerhöchsten Respekt.
Barbara Möller ist der Meinung, die Deutschen hätten den Türken etwas voraus, indem sie sich ihrer Verantwortung als Tätervolk gestellt haben. Dass ein Buch wie dieses in der Türkei erscheint, kann sie sich nicht vorstellen. Das Oral-History-Projekt der Genozidforscher Mihran Dabag und Kristin Platt mit Berichten der letzten Augenzeugen des Völkermords an den Armeniern, liest Möller mit Bestürzung. Ein im wahrsten Sinn grauenvolles Buch, findet sie, und deshalb wichtig.
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