Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer. Mik ist verdammt klein für sein Alter und hat auch sonst alle Voraussetzungen, um unter die Räder zu kommen. Sein Leben in einem Vorort von Stockholm ist alles andere als rosig: Sein Vater trinkt, der große Bruder geht seine eigenen Wege. Nur der 12-jährige Mik hält nach außen die Fassade einer halbwegs heilen Familie aufrecht. Bis ihn das Jugendamt bei einer Pflegefamilie unterbringt. Mik läuft davon und schlägt sich zu seiner Tante im Norden von Schweden durch, wo er Geborgenheit und Freunde findet. Als die Sozialarbeiter ihn auch dort abholen wollen, kommt es zur Entscheidung auf Leben und Tod.
Bestnoten vergibt Rezensent Franz Lettner an dieses Kinderbuch, das für ihn in einer ähnlichen Liga spielt, wie Astrid Lindgrens "Brüder Löwenherz". Im Zentrum stehe ein Junge mit katastrophaler Familiengeschichte, zu der auch das Drumherum passe: heruntergekommene Stadtrandviertel, Alkoholismus und Kriminalität, sowie engstirnige Behördenvertreter. Allerdings führe der schwedische Autor seinen jugendlichen Protagonisten mit so zärtlicher Verbundenheit und Humor über die Abgründe seiner Jugend, dass Lettner vor Mikael Engströms ergreifender Erzählung nur niederknien kann. Auch die Art, wie Engström sein Buch mit dem Schein der Erlösungssehnsucht wärmt und erhellt, letzte Dinge wie den Tod und das Leben verhandelt, macht dieses Jugendbuch für den Rezensenten zum Ereignis, der nicht zuletzt die Übersetzung von Brigitta Kicherer sehr lobt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2009
Dies ist eine überaus freundliche Besprechung von Mikael Engströms Jugendroman, mehr noch aber ist es eine Hymne auf die Übersetzerin Brigitta Kicherer. Der gelinge es keinesfalls nur bei diesem Roman, lobt Monika Osberghaus, mit schlafwandlerischer Sicherheit den richtigen Ton zu treffen und sich selbst so unsichtbar zu machen, dass das reine - und in diesem Fall auch sehr spannende - Lesevergnügen daraus wird. Dabei ist der vorliegende Roman eine durchaus harte Geschichte. Der Held des Buchs Mik wächst in sozial schwierigen Großstadtverhältnissen auf und wird, als gar nichts mehr geht, aufs Land geschickt. Osberghaus gibt gleich Entwarnung: Bei einem versierten Autor wie Engström besteht aber nicht die mindeste Land- und Sozialromantikgefahr. Der einzige Wunsch, den die Rezensentin am Ende der Lektüre hat, wäre der, es möge auch in Deutschland vergleichbar gute Jugendbuchautoren wie Engström geben.
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