Klappentext
Aus dem Schwedischen von Hanna Granz. Er ist Anfang zwanzig und lebt als einer der Letzten seiner Generation in einem abgelegenen nordschwedischen Dorf, die Landschaft von karger Schönheit, die Menschen so eng und zerklüftet wie schlicht. Zwar deuten sich überall schmerzliche Geheimnisse an, doch Antworten erhält der Suchende nicht. Auf keine seiner Fragen. Erst als er zu lesen beginnt, eröffnet ihm, einem bald Besessenen, die Literatur eine gänzlich neue Welt. Auch Antworten deuten sich an. Mit dem reißenden Strom seiner Gedanken spült es ihn schließlich in die große Stadt. Dort begegnet er einer manischen Literatin und taucht ein in die sich lustvoll zelebrierende Bohème. Doch Antworten scheinen ferner denn je. Erst als etwas Unvorhergesehenes geschieht, ahnt er, worin diese liegen könnten, und handelt, ohne zurückzuschauen... Das schwedische Original ist in einer Mischung aus nordschwedischem und tornedalischem Dialekt sowie der Minderheitensprache Meänkieli verfasst.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 08.11.2025
Rezensentin Anne Diekhoff mag, wie Matthias Timander in seinem Debütroman eine intellektuelle Coming-of-Age-Geschichte erzählt: ein anfang-zwanzigjähriger Junge vom Land hackt Holz, findet in einer Bücherkiste seiner (verstorbenen?) Eltern Joyce, Kafka, Flaubert, beginnt zu lesen und zieht nach Stockholm. Es gibt dann einige "Bohemien-Begegnungen", literarische Erleuchtungen und unglückliche Verliebtheiten, resümiert Diekhoff, aber zum Glück auch noch anderes: winterliche Tableaus vom Land, die mitlaufende Erzählung vom radikalen Umbau der Grubenstadt Kiruna, der selbst den Ortsansässigen schleierhaft bleibt, oder die achtzigjährige, mit dem Protagonisten befreundete Frau aus seiner Heimat, die auch ohne hohe Literatur Philosophie betreibt: "Die Zeit vergeht und wir mit ihr und was soll man machen", zitiert Diekhoff. Auch der Schreibweise des 1998 geborenen Autors scheint sie zugetan, sie lobt die unaufgeregten Lücken und Setzungen, wie etwa das unerklärte Fehlen der Eltern oder die Tatsache, dass der Ich-Erzähler kein Smartphone, sondern nur ein Festnetztelefon hat. Das sei alles leicht "hinzunehmen" und füge sich zu einer weder satirischen, noch verklärenden Geschichte, in der Tun, Denken und Empfinden der Hauptfigur zuweilen eine heilsame Symbiose einzugehen scheinen - für die Kritikerin ein staunenswertes, warmes Debüt.