Min Jin Lee

Ein einfaches Leben

Roman
Cover: Ein einfaches Leben
dtv, München 2018
ISBN 9783423289726
Gebunden, 552 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Susanne Höbel. Sunja, Tochter eines Fischers, wird genau im falschen Moment schwach, genau beim falschen Mann. Um keine Schande über ihre Familie zu bringen, verlässt sie Korea und bringt ihre Söhne Noa und Mozasu fernab der Heimat in Japan zur Welt. Koreanische Einwanderer, selbst in zweiter Generation, leben dort als Menschen zweiter Klasse. Während Sunja sich abzufinden versucht, fordern ihre Söhne ihr Schicksal heraus. Noa studiert an den besten Universitäten und Mozasu zieht es in die Pachinko-Spielhallen der kriminellen Unterwelt der Yakuza.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.02.2019

Katharina Borchardt liest Min Jin Lees Roman, eine koreanisch-japanische Familiengeschichte um eine junge Frau in einem südkoreanischen Fischerdorf in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, mit Verständnis dafür, dass die Autorin im Stil bürgerlicher Romane des 19. Jahrhunderts schreibt. Die allwissende Perspektive und das lineare Erzählen eines verlässlichen Erzählers lassen die Geschichte laut Borchardt zwar mitunter süßlich moraltreu erscheinen, auf die gelegentlichen Anklänge ostasiatischer Erzähltraditionen im Text kann sie allerdings durchaus verzichten.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 24.01.2019

Sunja ist Koreanerin. Als junge Frau zieht sie gemeinsam mit dem christlichen Prediger Isak nach Osaka und bekommt dort zwei Kinder, von denen eines später, wie so viele Koreaner in Japan, als Betreiber einer Pachinko-Spielhalle arbeiten wird, lesen wir. Diese Familiengeschichte erzählt Min Jin Lee vor dem Hintergrund der großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, erklärt Rezensentin Katharina Borchardt. Zu dem Thema drängt die Autorin nicht nur ihre eigene Vergangenheit, sondern auch die schlechten Lebensbedingungen der Koreaner in Japan. Viele von ihnen sind mit dem Wunsch nach Bildung und Arbeit oder auch als Zwangsarbeiter nach Japan gekommen,  gut bezahlte Jobs finden sie aber selten, weiß Borchardt. "Ein einfaches Leben" ist bereits Min Jin Lees zweites Buch über japanische Einwanderer. Ein drittes ist in Arbeit. So viel Platz braucht die Autorin auch, denn sie legt viel Wert auf Detailgenauigkeit, so die Rezensentin. Gerade die Arbeit ihrer Figuren schildere sie sehr genau. Dabei lasse ihr Erzähl-Stil eine Leidenschaft für die historischen Panoramen des vorletzten Jahrhunderts erkennen, meint die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.12.2018

Rezensent Axel Weidemann hat einiges an Min Jin Lees Roman auszusetzen - und kann sich dessen Sogkraft dennoch nicht entziehen. Knapp achtzig Jahre lang begleitet der Kritiker hier das Schicksal einer koreanischen Familie, die in den dreißiger Jahren als Arbeitsmigranten nach Japan auswandern und sich dort durchschlägt. Die koreanische, in den USA lebende Autorin erzählt ihm davon in bis zur Schmerzgrenze reduzierten Sätzen, mitunter in "Telenovela"-Qualität und dank zahlreichen Perspektivwechseln häufig verwirrend - und doch betont Weidemann immer wieder die Stärken hinter Jin Lees ästhetischen Entscheidungen: Großes Mitgefühl mit den Figuren, nachhallende Nebenfiguren und der Blick auf eine bis heute in Japan übersehende Minderheit machen den Roman für den Kritiker zum "großen, vielschichtigen Panorama".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2018

Min Jin Lee hat Rezensent Tomasz Kurianowicz mit ihrem neuen Roman das beschwerliche Leben der Koreaner als Minderheit in Japan nähergebracht. "Ein einfaches Leben" ist laut dem Rezensenten ein stilistisch abwechslungsreiches Familienepos über Liebe und Leben in den Wirren des 20. Jahrhunderts. Kurianowicz sieht die Beziehungen zwischen den Koreanern und Japanern ähnlich denen zwischen Ost- und Westdeutschen. Auch den Koreanern fällt es stets schwer, ein Leben ohne Minderwertigkeitsgefühle zu führen, und die Japaner sind durchaus ambivalent gezeichnet, so Kurianowicz. Offenbar konnte er sehr gut in den überbordenden Roman eintauchen und kam überrascht, aber glücklich wieder heraus.
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