Dreizehn Jahre ist die Ich-Erzählerin, als sie in ein Heim kommt. Knapp drei Jahre und einige Heime später steht sie bereits vor den Scherben ihres jungen Lebens: Sie hat sich den Ruf eines 'schwererziehbaren' Mädchens erworben, mehrere Schulen geschmissen und es sogar geschafft, bei einem Ausbruch einen Erzieher zu verletzen und mit ihrer Clique bis nach Spanien abzuhauen. Ihre Freunde sind ihr einziger Halt, ihre Ersatzfamilie. Ihnen geht es ähnlich, sie alle tragen dieses gehetzte Lebensgefühl ins sich, das nicht selten mit Hilfe von Alkoholexzessen betäubt wird. Und dennoch schafft es die Protagonistin immer wieder mit einer verblüffenden Schlagfertigkeit und Ironie weiterzumachen, indem sie sich selbst zuspricht: "Ich bin fünfzehn Jahre alt und habe schon verdammt viel gesehen ..."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.12.2004
Mirijam Günters Porträt eines schwer erziehbaren Mädchens enthält viele Wiederholungen, ist schwer zu lesen, die Geschichte schwer zu ertragen. Aber gerade deswegen lobenswert konsequent, findet Cathrin Kahlweit. Denn die Autorin weiß, wovon sie schreibt. Sie war selbst einmal Heimkind und kennt sich aus in dieser Welt, die von "verpassten Gelegenheiten, verlorenen Freunden, von Schlägereien und Drogenexzessen, von Einsamkeit und Wut, von Polizeirazzien und Gerichtsprozessen" handelt. Die stilistischen Sperrigkeiten des Romans sind der schonungslosen Authentizität geschuldet, mit der Günter für die Entlarvung der Idee einer funktionierenden Jugendhilfe als "Heile-Welt-Vorstellung" eintritt. Da freut es Kahlweit umso mehr, dass die Autorin trotz ihres desillusionierenden Jugendporträts die Hoffnung auf menschliche Wärme hinter den Zombiemasken verhärteter Heimkinder nicht aufgegeben hat. In ihrer frustrierten Protagonistin verberge sich ein "Dornröschen", das aus ihrer emotionalen Festung gerettet werden kann. Es muss nur jemand den Schlüssel finden.
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