Mirjam Pressler

Die Zeit der schlafenden Hunde

(Ab 14 Jahre)
Cover: Die Zeit der schlafenden Hunde
Beltz und Gelberg Verlag, Weinheim 2003
ISBN 9783407809124
Gebunden, 270 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Johanna deckt eine dunkle Seite ihrer Familiengeschichte auf: Ihr Großvater war, wie viele Deutsche, ein Nutznießer der Enteignung jüdischen Besitzes. Ein neuer Roman von Mirjam Pressler über drei Generationen einer Familie und deren unterschiedlichen Umgang mit deutscher Vergangenheit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.03.2004

Ein bisschen an ihren ehrgeizigen Zielen gescheitert ist die Autorin Mirjam Pressler nach Meinung der Rezensentin Gerda Wurzenberger. Johannas Geschichte und die ihres Großvaters, der sich posthum als rücksichtsloser Nazi entpuppt - wie die 18-jährige bei einer Israelreise in Erfahrung bringt -, ist nach Wurzenbergers Meinung ein bisschen psychologisch überfrachtet. "Pressler mischt in den schmerzhaften Prozess der Vergangenheitsbewältigung sexuelle Erfahrungen der jungen Frau, bei denen sich Liebe und Lust mit Schuldgefühlen und Scham vermengen." Das führt nach Meinung der Rezensenten zu irritierenden Momenten, die am Ende das Buches dann auch noch eine unbefriedigende Auflösung erfahren, weil sich die Autorin sich mit dieser thematischen Verquickung wohl selbst überfordert hat und deshalb in eine "leichtfertige (Jugendbuch-)Harmonie" flüchtet.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.01.2004

Obwohl Mirjam Pressler sich in den Augen der Rezensentin Angelika Ohland um eine differenzierte Sicht auf die Geschichte eines Mädchen bemüht, dessen Familie von der Parteinahme für die Nazis geschäftlich profitiert hat, ist die Rezensentin an einigen Stellen mit dem Roman nicht ganz zufrieden: "Manchmal kommt ein etwas unglaubwürdiger Ton hinein", findet sie. Dass führt Ohland darauf zurück, dass die Autorin sich selbst mit der Ambivalenz, in der sie ihre Protagonisten hält, nicht ganz wohl fühlt. "Man fühlt dann, wie unheimlich es Pressler gewesen sein muss, den Schwebezustand, in dem sie ihr Buch am Ende dann doch noch lässt, zu halten." Doch trotz dieser etwas unglaubwürdigen Töne profitiere der Roman doch mehr von diesen Zwischentönen als sie ihm schaden: der "Holzhammer" bleibt außen vor und auch die Personen werden sehr "facettenreich" geschildert, lobt Ohland.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.11.2003

Die vielfach preisgekrönte Kinder- und Jugendbuchautorin Mirjam Pressler hat sich mit ihrem neuen Roman an ein ernsthaftes Thema gewagt, das sie auf "beispielhafte, anrührend-unaufdringliche und deshalb poetisch überzeugende Weise" ausgearbeitet hat, schreibt ein faszinierter Volker Ullrich. Jugendliche wie Erwachsene gleichermaßen ansprechend erzähle die Autorin die Geschichte der Abiturientin Johanna, die auf einer Reise mit dem Geschichtskurs nach Israel Bekanntschaft mit der Tochter eines 1938 enteigneten jüdischen Modehausbesitzers macht und erfahren muss, dass kein geringerer als ihr Großvater davon in hohem Maße profitierte. Sie beginnt nachzuforschen, doch fällt es ihr "dabei keineswegs leicht, 'schlafende Hunde' zu wecken", wie uns der Rezensent informiert. Schließlich stellt sie ihren Vater zur Rede, und es "kommt zum Bruch mit einer unheiligen Familientradition des Beschweigens und Vertuschens", wenngleich dieser Bruch für Johanna "zugleich den Schritt ins Erwachsenenleben markiert", verkündet die beeindruckte Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2003

Auf Rezensent Tilman Spreckelsen wirkt dieser Jugendroman auf "geradezu quälende Weise" wie für den gymnasialen Lehrplan geschrieben. Zu demonstrativ sieht er daraus das Anliegen der Autorin hervortreten, "an einer beispielhaften Geschichte die Frage des Umgangs mit 'arisiertem' jüdischen Eigentum zu diskutieren". Darüber hinaus liest sich für Spreckelsen die Geschichte der Abiturientin Johanna, die sich seinen Informationen zufolge mit der Tatsache auseinandersetzen muss, dass sich ihr Großvater einst an jüdischem Eigentum bereichert hat, streckenweise nicht einmal wie ein Jugendbuch, sondern wie der "Lebensratgeber einer Illustrierten". Auch stört ihn, dass er die Protagonistin selbst "nur in gestelzten Formeln" denken sieht und sich letztlich keine der Figuren dieses Romans von der ihr zugedachten, moralischen Rolle zugunsten literarischer Eigenständigkeit zu lösen vermag.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.08.2003

Überzeugt ist die Rezensentin Cathrin Kahlweit von Mirjam Presslers Jugendroman über eine junge Frau, die mit ihrer Familie in Konflikt gerät, nachdem sie während einer Israelreise mit dem dubiosen Verhalten ihres Großvaters während der Arisierungsphase im NS-Staat konfrontiert wird.. Ein "vielschichtiges, kompliziertes Buch" habe die Autorin da vorgelegt, welches aber "gleichzeitig ganz einfach" sei, meint die Rezensentin. "Unprätentiös, leise und unaufgeregt" käme dieser "Entwicklungsroman" daher, der trotz des schweren Themas eine durchaus verdauliche Kost für ein jugendliches Publikum darstelle.
Stichwörter

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…