Was fängt man mit dem Leben an, wenn die Tage gezählt sind? Das muss Benno Romik, ehemals Brückenkommissar in Hamburg, sich fragen, als er mit einer tödlichen Diagnose konfrontiert wird. Während er um Fassung ringt und überlegt, was und wer ihm für seine präzise errechnete Restzeit wichtig ist, wird sein Leben gewaltig durcheinandergeworfen, ja geradezu gesprengt. Denn mit einer Detonation aus heftigem Protest tritt Hollie Magenta in seine Welt und findet verletzt bei ihm Zuflucht. Sie und ihre Gruppe infolge des G20-Gipfel radikalisierter "Zertrümmerfrauen" setzen Autos in Brand, haben aber, wie sich herausstellt, auch noch größere Pläne. Und je näher Dr. Romik die 21-Jährige kennenlernt, desto mehr wird er darin verwickelt. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.
Ein anregendes Bild unserer Zeit zeichnet Mirko Bonnés Roman, lobt Rezensentin Julia Schröder. Im Zentrum, lernen wir, steht der pensionierte Brückeninspektor Benno Romik, der kaum soziale Kontakte hat, aber dafür eine fatale medizinische Diagnose erhalten hat: in wenigen Wochen soll er sterben. Ausgerechnet jetzt lernt er die junge, wütende Aktivistin Hollie Magenta kennen, die aus Protest gegen die Welt um sie herum Dinge in die Luft sprengen will. Ein scharf gezeichneter Kontrast in der Figurenanlage, so Schröder, der allerdings in eine abwechslungsreiche Handlung übersetzt werde, in die sich auch noch die Kindheitserinnerungen der Hauptfigur mischen. Der literarisch versierte Autor etabliert laut Schröder geschickt Leitmotive und begriffliche Oppositionen, außerdem erweise er sich als ein begnadeter Beschreiber von Landschaften. Über ein paar Schwächen wie etwa Hollie Magentas recht dick aufgetragenen Gen-Z-Slang sieht die insgesamt überzeugte Rezensentin gern hinweg.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.09.2023
Viele, für den Geschmack der Rezensentin Erika Thomalla etwas allzu viele Brücken werden in Mirko Bonnés parabelhaftem Roman gebaut. Erzählt wird die Geschichte des Brückenkommisars Benno Romik und jungen Anarchistin Hollie Magenta, die sich kennen- und gegenseitig schätzen lernen. Die Brücken sind wirklich ziemlich penetrant allgegenwärtig, stöhnt Thomalla: in der Handlung, als Metapher und auch schon in der äußeren Aufmachung des Buchs. Die Rezensentin findet hier und da gelungene Szenen, auch der Charakterisierung Bennos kann sie etwas abgewinnen. Hollie dagegen bleibt, so die Rezensentin, eher blass und muss sich dann auch noch in einer eher peinlichen Jugendsprache ("Echt ein heavy rain, old bro") ausdrücken. Insgesamt ist das zu harmoniesüchtig gedacht, lautet Thomallas Fazit.
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