Aus dem Französischen von Friedhelm Kemp, Elisabeth Edl und Wolfgang Matz. Der in Frankreich lebende schweizerische Autor Philippe Jaccottet ist einer der großen europäischen Dichter. Dieser Prosaband vereint Texte, die sich den Tragödien unserer Gegenwart stellen, aber auch von persönlichen Niederlagen handeln. "Israel, blaues Heft" ist ein Reisebericht über die Krisenregion in Nahost; "Das Wort Russland" beschreibt, ausgehend von Jaccottets Erfahrungen als Übersetzer von Ossip Mandelstam, die Bedeutung der russischen Literatur für die Darstellung des menschlichen Leidens, von Dostojewski bis zu den Gulag-Erzählungen von Schalamow; und "Notizen aus der Tiefe" ist eine persönliche Annäherung an Krankheit und Tod.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.06.2009
Den hohen, musikalischen ("sorgfältig" übersetzten) Ton dieser Aufzeichnungen kann Joseph Hanimann gut vertragen. Dass es ein Dichter ist, der sich hier in der Prosa versucht, merkt er gleich. Wenn Philippe Jaccottet die heiligen Stätten Jerusalems besucht, dann nicht ohne Rimbaud und Hölderlin im Gepäck. Doch die Allgegenwart des Nahostkonflikts teilt sich dem Rezensenten beim Lesen auch ganz unmittelbar mit. Ebenso die Dunkelheit der Tiefe, aus der der 80-jährige Jaccottet zu ihm spricht und ihm von Russland erzählt oder vom Sterben eines Vertrauten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.04.2009
"Fast geisterhafte Größe" bescheinigt Rezensent Milo Rau diesen Notizen des in Frankreich lebenden Schweizer Dichters Philippe Jaccottet. Diese deutsche Edition vereint Raus Informationen zufolge drei französische Vorlagen. Wer den Band lese, werde erneut "Zeuge einer dichterischen Selbstverständigung", die Jaccottet seit seinen Anfängen auszeichne, in seiner völlig privaten, in seinen thematischen Vorlieben und doch völlig objektiven, "mittelalterlichen Suche nach dem Absoluten" . Was diese Notizen von vorangegangenen Büchern für den Rezensenten unterscheidet, ist die Tatsache, dass es sich diesmal fast um ein Reisebuch handelt: Jaccottet reist mit der Bibel in der Hand nach Israel und besucht das Russland Stalins, Ossip Mandelstams und Dostojewskis, lesen wir. Zwischen diesen beiden Reisebeschreibungen erzählt Jaccottet vom Tod eines Freundes. Wie hier literarisches und reales genau zusammenhängen, bleibt in der Rezension leicht nebulös, aber eins wird doch klar: Milos Rau ist von diesem Prosawerk nicht weniger beeindruckt als von den Gedichten Jaccottets.
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