Aus dem Französischen von Patricia A. Hladschik. Es war einmal ein glückliches Paar. Sie waren Berber aus den marokkanischen Bergen, wo das Leben noch von den Jahreszeiten und von der Farbe des Himmels geprägt wird. Der alte Mann, der eine bewegte Vergangenheit hinter sich hat, verbringt seineTage damit, Kalligrafien eines langen Gedichtes zu Ehren eines Heiligen in Tifinagh, der alten Überlieferung der Tuareg, anzufertigen. Dieses Gedicht wurde schließlich sogar im Radio gespielt, als Kassette verbreitet und abgedruckt. Die Schilderung der Besuche von amerikanischen Studenten, Freunden aus dem Ausland oder lokalen Helden, die die Tradition hochhalten, verzieren den schlichten Tagesrhythmus, den die Teezeremonie und die Zubereitung traditioneller Gerichte - wie Couscous - bestimmt. Gegen die prahlerische Modernität und gegen die, die er die "Neureichen" schimpft, macht sich der Alte an ein neues Gedicht mit dem Titel "Regenbogen".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.08.2004
Mohammed Khair-Eddine, von Rezensent Mourad Kusserow als "marokkanischer Rimbaud" bezeichnet, war nicht nur ein wortgewaltiger Dichter, sondern hinterließ nach seinem Tod 1995 auch ein "hochkarätiges" Romanwerk. "Es war einmal ein glückliches Paar", Khair-Eddines letzter Roman, so Kusserow, führt in dessen berberische Heimat in den Bergen zurück, die Khair-Eddine schon als Jugendlicher verließ. Der Roman handelt tatsächlich von einem alten "glücklichen Paar", berichtet Kusserow, das in Gesprächen die Geschichte des Dorfes heraufbeschwöre, doch vor allem das bewegte Leben des Mannes rekapituliere, der die Landung der Alliierten bei Casablanca, den Unabhängigkeitskampf gegen die Franzosen oder die berüchtigte Erdbebenkatastrophe von Agadir miterlebt hat. Für den Rezensenten ist der marokkanische Autor kein "Schriftsteller der glatten Fügung", allerdings brechen sich in diesem ansonsten eher leise und lyrisch erzählten Roman immer wieder Zornesausbrüche Khair-Eddines Bahn, berichtet Kusserow, wenn die Enttäuschung über die Rückständigkeit der Maghrebiner oder die Empörung über seine ihre Kultur nicht offensiv verteidigenden Landsleute Überhand nähmen. Schade, bedauert Kusserow, dass Khair-Eddine die offizielle Anerkennung der amazighischen (berberischen) Kultur nicht mehr miterlebt habe - nahe bringen tut er sie uns mit diesem Roman, schließt der Rezensent.
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