Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie skizziert in diesem Buch den schicksalhaften Weg Algeriens von der Kolonialzeit bis heute unter verschiedenen Blickwinkeln, insbesondere im Dreiecksverhältnis Algerien-Frankreich-Deutschland. Der Wechsel von persönlichen Begegnungen und Erlebnissen, von Reportagen mit politischer und sozialwissenschaftlicher Analyse lassen beim Lesen keine Müdigkeit aufkommen. Schlaglichter auf die frühe Kolonialisierung, den Alltag der Siedlergesellschaft und der blutige Freiheitskampf kommen ebenso vor wie der algerische Fußball, die algerische Arbeitsmigration, die Rolle der Frauen, die Bedeutung der Kunst. Ergänzt werden die Texte durch eine eindrucksvolle Bilderauswahl von der Kolonialzeit über die Befreiung bis zur Demokratiebewegung Hirak.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.08.2022
Der Historiker Dan Diner bleibt in seiner Besprechung von Claus Leggewies Algerien-Band zurückhaltend im Urteil. Deutlich macht er, welche Bedeutung Algeriens Kolonialgeschichte für das französische Denken hatte (bei Fanon, Bourdieu, Derrida) und somit auch in der intellektuellen Biografie des frankophilen Leggewie. Bei den hier versammelten Texte handelt es sich um bereits publizierte Arbeiten zu verschiedenen Themen von der Entwicklungspolitik bis zum algerischen Rap. Von "Reparationen" ist allerdings kaum die rede, warnt er vor. Am meisten scheint Diner zu interessieren, was Leggewie zum Prozess gegen den NS-Verbrecher Klaus Barbie 1983 in Lyon zusammenträgt, etwa ein Interview mit dessen berüchtigtem Verteidiger Jacques Vergès, wodurch auch erkennbar werde, welch unappetitlichen Verbindungen es von alten Nazis und ewigen Antisemiten zu den Kämpfern der algerischen FLN gegeben hat.
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