Monika Maron

quer über die gleise

Essays, Artikel, Zwischenrufe
Cover: quer über die gleise
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783100488152
Broschiert, 159 Seiten, 17,38 EUR

Klappentext

Monika Maron denkt gegen den Strom. Ob sie die Ostmenschen vor der Ignoranz der Westmenschen in Schutz nimmt und vice versa die Männer vor den Hilfsangeboten der Pharmaindustrie - "Ein Mann ohne Versagensangst ist ein Alptraum" - oder die Generation der Mütter und Großmütter vor den Girlys: fast immer wirken Marons Kommentare im Sinne einer Richtigstellung und der Parteinahme. Das Spektrum dieser Texte reicht von ironischen Glossen bis hin zu essayistischen Diskursen und zum literarischen Porträt. Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch alle Texte zieht, ist die Frage nach dem Wesen und dem Wirken der Erinnerung. Der Verdächtigung, der eigenen Erinnerung gegenüber nur eine selektive Wahrnehmung zuzulassen, begegnet Monika Maron, indem sie die beiden Berichte aus dem Jahr 1976 vorlegt, die ihr 1995 den Vorwurf, für die Staatssicherheit gearbeitet zu haben, eintrugen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.12.2000

Ambivalent findet der Rezensent Jürgen Verdofsky die hier zusammengefassten Arbeiten von Monika Maron. Einiges davon gefällt ihm sehr gut, so etwa der Essay "Im Osten nichts als Opfer" oder die "Groteske von den vier Archetypen", deren klaren Gedankengänge und Stil er lobt. An anderen Punkten gibt Maron sich seiner Meinung nach zornigen Impulsen hin und gerät so bisweilen etwas aus dem Tritt. So fehle ihrer Rechtfertigungsschrift zu ihrer Stasimitarbeit ("Heuchelei und Niedertracht") "alles Sanguinische, alles Ironische" - was sonst für Verdofsky ihre Qualität ausmacht. Und auch mit Verrissen, die Kritiker bisweilen über sie geschrieben haben, kann sie nach Meinung des Rezensenten nicht umgehen. Verdosky kritisiert: "Sie beschränkt sich nicht auf analytische Gegenrede" und "einmal in Fahrt, macht Monika Maron auch nicht vor der Abwicklung einer ganzen Gattung halt" - nämlich der der Literaturkritiker.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.11.2000

Soll er sich nun ducken, zittern, zuschlagen? Konrad Franke weiß, dass er sich vorsehen muss, das hat ihm ein Beitrag des Buches vor Augen geführt, der eine saftige Abrechnung mit Literaturkritikern enthält - oder sagen wir lieber: mit ihren Kritikern? Franke bezeichnet die 21 Beiträge des Buches als "Essays, Artikel, Zwischenrufe"; am interessantesten erscheinen ihm die zwei Berichte, die Maron für den Staatssicherheitsdienst schrieb. Couragiert, ungewöhnlich und im nachhinein auch etwas naiv kommen sie ihm vor. Die anderen Beiträge sind nach seinem Dafürhalten weniger radikal, mehr vom "weiblichen gesunden Menschenverstand" geprägt. Wichtig auch der titelgebende Aufsatz über Uwe Johnson und natürlich die Ost-West-Thematik, alles interessante Ansichten und "kluge Einsichten", die Franke wenig zum Widerspruch reizen, dafür aber gut formuliert erscheinen und für ihn angenehm zu lesen sind.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.09.2000

Martin Krumbholz nimmt dieses Buch in einer etwas kryptischen Besprechung mit Interesse zur Kenntnis. Er findet, dass man der Autorin Unrecht tut, wenn man nicht bemerkt, dass die Stasiberichte, die sie als inoffizielle Mitarbeiterin geschrieben hatte, durchaus "Zivilcourage" demonstrierten. Er sieht die Reaktionen auf ihre heutige schriftstellerische Tätigkeit immer noch durch ihre politische Vergangenheit bestimmt. In ihren "Zürcher Poetikvorlesungen" bemühe sich die Autorin um einen "Rollenwechsel", indem sie die "Argumentationsstrukturen" ihrer Kritiker unter die Lupe nehme und dabei mitunter durchaus Mängel auf Seiten der Kritiker feststelle, was den Rezensenten nicht überrascht. Er begrüßt diese Auseinandersetzung ausdrücklich, denn sie fördert nach Krumbholz einen "mündigen Dialog" zwischen Autor und Kritiker und nützt damit den Lesern. Was sonst noch an Texten in dem Buch enthalten ist, verrät der Rezensent indes nicht.
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