Haben Muslime ihre eigene Religion verfälscht? Nichts Geringeres als eine grundlegende Kritik des Islams proklamiert Mouhanad Khorchide in seinem neuen Buch "Gottes falsche Anwälte". Seine provokante Hauptthese lautet: Bei dem Islam, wie er sich heute den meisten Muslimen wie Nichtmuslimen präsentiert und wie er von vielen Gläubigen praktiziert wird, handelt es sich um eine manipulierte Version dieser Religion. Eine Manipulation, die nicht etwa von außen kommt, sondern auf die Muslime selbst zurückgeht. Und, besonders pointiert: Diese Manipulation fand nicht spät und von irgendwelchen modernen Fanatikern statt, sondern bereits in der Frühgeschichte des Islams kurz nach dem Tod Mohammeds. Diese Manipulation, so zeigt Khorchide weiter, ist keinswegs eine rein historische Angelegenheit, vielmehr prägen ihre Konsequenzen die Gegenwart und betreffen vor allem die heutigen Muslime.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2020
Alexander Flores findet die Darstellung zweier entgegengesetzter Auslegungen des Islams durch Mouhanad Khorchide aufschlussreich. Khorchides klare Stellungnahme für einen menschlichen Islam rechnet er dem Autor hoch an. Alelrdings missbehagt dem Rezensenten ein wenig, wie der Autor die eigene Auslegung des Korans als einzig mögliche darstellt und die andere, "harte" als Verfälschung und Manipulation. Khorchides "historisch-politische" Erklärung für das Überwiegens eines Frauen und Nichtmuslime diskriminierenden Islams hält Flores allerdings mindestens für diskussionswürdig.
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