Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. An einem brütend heissen Markttag ist Mussaad, ein Metzger in einer Provinzstadt im Nildelta, im Gewühl des Suks unterwegs zum Laden seines Kollegen Barakat, um den Kopf von dessen Sohn Âmir zu verlangen. Drei Tage zuvor hatte er den jungen Mann, der wegen der Gewalttätigkeit seines Vaters praktisch bei ihm aufwuchs und sein Ziehsohn wurde, zusammen mit seiner Frau Saadîja ertappt. Die ganze Stadt weiss um das Drama und hält den Atem an - in Erwartung, dass Mussaad beide umbringen wird, um seine Ehre wiederherzustellen. Zu Hause bewacht unterdessen Mussaads Schwester ihre Schwägerin, eine Fremde, die während des Sueskriegs als Flüchtling in die Stadt kam und auf die sie wegen ihrer aussergewöhnlichen Schönheit und Ausstrahlung eifersüchtig ist. Dreist bemächtigt sie sich umgehend der Kleider und des Schmucks der Todgeweihten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.04.2005
Traurig angetan zeigt sich die Rezensentin Angela Schader von Muhammad al-Bissatis Geschichte um den Ehrenmord an der schönen Saadija, die aus der Stadt ins Dorf fliehen muss und dort Ehebruch begeht. Es gelinge dem Autor, den Leser mit der "stumm gelebten Not" seiner Charaktere unmittelbar zu berühren, obwohl er auf Kommentierung auf jegliche Spannungseffekte verzichte. Richtige Schmerzen hat der Rezensentin bereitet, wie Saadija von ihrer Schwägerin behandelt wird, wie sie diese in den Schuppen sperrt und sich gleich an ihr rächt, als sie einen Augenblick lang von ihrer Schönheit überwältigt wird. Dass sich auch Saadijas betrogener Ehemann letztlich schuldig macht, indem er zu lange mit der Vollstreckung des Urteils wartet, liest die Rezensentin als weiteres Opfer des "mit großer Gleichmut waltenden, anonymen Mahlwerks" der nicht hinterfragten gesellschaftlichen Wertvorstellungen. Ein starker Roman, so das abschließende Fazit der Rezensentin.
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