Aus dem Französischen von Michael Halfbrodt. Der Begriff Post-Wahrheit beschreibt, dass die öffentliche Meinung weniger von objektiven Gegebenheiten als vom Appellieren an die Emotion und vom persönlichen Glauben bestimmt wird. Aktuelle Effekte werden bei der Wahl von Trump und der Brexit-Abstimmung besonders sichtbar. Die politische Philosophin setzt sich kritisch mit dem politischen Regime der Wahrheit, dem Verhältnis von Fakten und Meinungsbildung sowie jenem von Demokratie und öffentlicher Meinung auseinander. Einen besonderen Platz nehmen Foucaults Konzepte der parrhesía (des Wahr-Sprechens) sowie der Gouvernementalität ein, d. h. die Erscheinungsformen neuzeitlicher Regierung, die das Verhalten von Individuen und Kollektiven steuern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2020
Uwe Justus Wenzel erkundet unter Anleitung der Philosophin Myriam Revault d'Allonnes die fragwürdige Haltung der Indifferenz, der Verzicht, zwischen wahr und falsch zu unterscheiden. Zu lernen ist für Wenzel aus der Lektüre nicht nur, dass die Lüge schon immer existierte, sondern auch, dass Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit die größere Sünde darstellt, weil der Mangel an Unterscheidung zwischen Wahr und Falsch zum Verlust einer "gemeinsamen Welt" führt. Um welche Welt es sich da handelt und auf welche wir zusteuern, erläutert die Autorin laut Wenzel mit Arendt, Ricoeur und Aristoteles beziehungsweise mit Orwell.
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