Naoise Dolan

Aufregende Zeiten

Roman
Cover: Aufregende Zeiten
Rowohlt Verlag, Hamburg 2021
ISBN 9783498002176
Gebunden, 320 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Anne-Kristin Mittag. "Aufregende Zeiten" spielt im Hongkong der Gegenwart und erzählt die Geschichte einer Dreiecksbeziehung zwischen zwei jungen Frauen und einem Mann. Ava ist 22 und hat keine Ahnung, was sie mit ihrem Leben anstellen soll. Doch dann trifft sie Julian. Einen Banker. Einen Banker, der gerne Geld für sie ausgibt. Und plötzlich findet sie sich im Gästezimmer seiner Wohnung wieder und trinkt Clos Vougeot, spricht über schwankende Kurse und hat Sex. Ihre Einkommensunterschiede sind groß, und sie bewahren die selbsternannte Linke und Feministin Ava vor unangenehmen Fragen. Oder macht es sie vielleicht zu einer schlechten Feministin, dass er für alles zahlt?Das wird sie herausfinden, sobald es vorbei ist. Julian verreist für längere Zeit - und Edith tritt auf den Plan. Edith, die ihr zuhört, wenn sie spricht, und ihr Freesien und Tulpen schenkt. Aber dann kehrt Julian doch unerwartet nach Hongkong zurück.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.05.2021

Rezensentin Petra Pluwatsch kann anhand von Naoise Dolans junger Romanheldin genau nachvollziehen, wie es sich anfühlt, Anfang zwanzig zu sein und keine Ahnung zu haben, wo es lang geht. Der Heldin folgt Pluwatsch durch ihre neue Wahlheimat Hongkong, nistet sich mit ihr bei einem wohlhabenden Lover ein und macht sich Gedanken über Feminismus und Unabhängigkeit, Macht und Sex. Dass Dolan über all das lakonisch, ironisch und mit coolem Sound schreiben kann, gefällt der Rezensentin gut. Ein paar Kürzungen gegen Ende, und der Roman hätte ihr noch mehr zugesagt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.05.2021

Rezensent Felix Stephan findet Naoise Dolans Romandebüt eher mit "Burmese Days" von George Orwell aus dem Jahre 1934 vergleichbar als mit Sally Rooneys Roman "Normal People", mit dem es oft verglichen wurde. Denn von einem letzten Überrest der elitären kolonialen Salongesellschaft erzähle die irische Jungschriftstellerin hier, wenn sie von einer nach Hongkong emigrierten Irin erzählt, die sich langsam in die englische Upper-Class hineinziehen lässt, die dort das große Geld verdient und die aktuellen politischen Umwälzungen gekonnt ignoriert. Wie der Roman die zunehmende Ignoranz seiner Protagonistin für die Gleichschaltung Hongkongs formal abbildet, indem der politische Kontext nur einmal überhaupt Erwähnung findet, hält der Rezensent für die "stille Meisterschaft" dieses Romans, und die Wandlung der Protagonistin von der Idealistin zur elitären Komplizin der chinesischen Diktatur scheint ihn zu beeindrucken.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 27.03.2021

Rezensentin Eva Biringer versteht, warum man Naoise Dolan mit Sally Rooney vergleicht: Auch Dolan seziert der Kritikerin zufolge in diesem Roman die Liebeswirren der Millennials und die gesellschaftlichen Faktoren, die sie beeinflussen. Dass ihre irische Hauptfigur Ava, die zwischen feministischen Idealen und der Frage, wie sie in der aktuellen Welt durchgesetzt werden können, hin- und hergerissen ist, ihre Konflikte in Hongkong austrägt, gibt noch einen kritischen Seitenblick auf transnationale Verhältnisse dazu, so Biringer, die das Resultat als faszinierenden Pageturner empfunden hat.

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