Aus dem Englischen von Cornelia Holfelder-von der Tann. Natasha Trethewey ist neunzehn Jahre alt, als sich ihr Leben für immer verändert: ihr ehemaliger Stiefvater erschießt ihre Mutter. Heute stellt sich die Dichterin die Frage, wie diese Erfahrung sie zu der Künstlerin geformt hat, die sie geworden ist. Eindringlich und mit schonungslosem Blick nimmt Trethewey diese tiefgreifende Erfahrung von Schmerz, Verlust und Trauer als Ausgangspunkt, um den tragischen Verlauf des Lebens ihrer Mutter zu erkunden und zu verstehen, wie ihr eigenes Leben durch deren unerschütterlicher Liebe und Widerstandskraft geprägt wurde. Indem sie die Lebenslinien ihrer Mutter im zutiefst von Rassentrennung geprägten amerikanischen Süden und die ihrer eigenen Kindheit als "Kind von Rassenmischung" in Mississippi nachzeichnet, lotet Trethewey ihr Gefühl der Entwurzelung und des Unbehaustseins in jener Zeit aus, die in dem erschütternden Verbrechen mündet, das sich 1985 am Memorial Drive in Atlanta ereignete.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.04.2024
Zwischen "bleischwerem Gegenstand" und "federleichter Poesie" bewegt sich das Buch von Natasha Trethewey über ihre Mutter, findet Rezensentin Marlene Knobloch an. Es geht um den Mord des Vaters an ihrer Mutter - ein schwieriges Thema, räumt sie ein, aber Trethewey gelingt ein fragendes, erinnerndes Buch, das eruiert, wie man zu der Person wird, die man ist. Die Autorin hat auch Akten und Tonaufnahmen der Polizei in ihr Buch integriert, erfahren wir, die sich harmonisch ins Ganze fügen. Fasziniert ist die Rezensentin auch von Tretheweys assoziativer Sprache, die in Deutschland noch ihrer längst überfälligen Entdeckung harrt. Ein tiefes, menschliches Buch, hält Knobloch fest, die gemeinsam mit Trethewey erkennt: Unsere Identität formt sich "auch aus dem, was wir vergessen."
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