Nava Semel

Gläserne Facetten

10 Geschichten
Cover: Gläserne Facetten
Dr. Orgler Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783934234307
Gebunden, 236 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen übersetzt von Mirjam Pressler. In den zehn Geschichten werden Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, sich selbst im anderen zu erkennen und eine eigene Identität zu erwerben, literarisch erkundet. Wie sonst sollten auch die Protagonisten der Erzählungen Selbstbewusstsein gewinnen? Wie entwickeln, angesichts des Schweigetabus, der gläsernen Wände, die ihre Eltern um sie zogen? Das Glasmotiv durchzieht alle Erzählungen und steht für die Folgen von Überbehütung, Schweigen und Verdrängung. Der Band erschien in Israel erstmals 1985.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.12.2001

In seiner sehr knappen Kritik zeigt sich der Rezensent mit dem Kürzel sab. äußerst angetan von den Erzählungen der israelischen Autorin, die sich durchweg mit dem Schicksal von Menschen beschäftigt, deren Eltern den Nationalsozialismus überlebt haben. Der Rezensent preist die "betont einfache Sprache" der Texte, wobei er besonders den gänzlichen Mangel an "Pathos" und "Psychologismus" lobend hervorhebt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.08.2001

Literarische Reflexion ist ein überzeugender Weg der Annäherung an ein so komplexes Thema wie das über die Kinder von Überlebenden der Shoah, der sogenannten "Zweiten Generation", findet Arno Lustiger. Für die Art, wie Nava Semel sich in ihren 10 Geschichten diesem Thema nähert, ist er voller Bewunderung. Sein Lob gilt der sprachlichen Gestaltung der Erzählungen, die er als "bildreich und direkt" charakterisiert, aber vor allem wohl der facettenreichen inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Gegenstand. Den Kindern der Zweiten Generation sei gemeinsam, dass ihre Eltern über das erlebte Grauen geschwiegen hätten, was zu einem "höchst problematische Lebensgefühl" der Kinder geführt habe. Die Autorin verdichte diese Erfahrung durch die Glasmetapher, erklärt er, und es werde bei allen unterschiedlichen Lebenswegen deutlich, dass Identitätsfindung nur außerhalb der Glasglocke stattfinden könne. Die kongeniale Übersetzung von Mirjam Pressler wird von Lustiger ausdrücklich hervorgehoben.
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