Arno Lustiger ist Zeitzeuge. Er ist einer der wenigen, der die Shoa überlebt hat. Seit er in den achtziger Jahren begann, sich publizistisch zu äußern, gehört sein Hauptengagement der Aufarbeitung des jüdischen Widerstandes. "Die meisten Historiker sind davon ausgegangen, dass sich die Juden wie Lämmer zur Schlachtbank haben führen lassen." Mit seinen Forschungen revolutionierte Arno Lustiger das gängige Bild von der Geschichte der Juden Europas. Die meist unveröffentlichten Essays zeigen ein breit gefächertes Bild der jüdischen Lebensweise und jüdischer Lebensschicksale.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.06.2003
Der Essayist Arno Lustiger erhebt in Bezug auf seine Studien keinen wissenschaftlichen Anspruch, er ist vielmehr eine Art Privatgelehrter, dessen Erkenntnisinteresse sich aus der eigenen Biografie und Geschichte seiner Verfolgung speist, charakterisiert ihn Stefana Sabin. Der vorliegende Band versammelt mehrere von Lustigers historiographischen Essays aus den Jahren 1995 bis 2002, die als Beiträge zur jüdischen Geschichte im 20. Jahrhundert zu verstehen sind, so Sabin. Lustiger schreibt unprätentiös, lobt sie, seine Darlegung sei stringent. Meist greife der Essayist auf private Quellen zurück und entwickele ein aus "biografischen Skizzen zusammengesetztes Narrativ des jüdischen Widerstands". Die Themen lauten: die jüdische Arbeiterbewegung oder Juden im spanischen Bürgerkrieg oder die Aufstände in den Ghettos. Lustigers Anliegen ist dabei, erläutert die Rezensentin, die weitverbreitete These von der jüdischen Passivität angesichts der drohenden Vernichtung zu widerlegen. Damit sei er in eine Kontroverse mit dem Historiker Raul Hilberg geraten, erklärt Sabin weiter: eine Art jüdische Historikerdebatte, die im Anhang dokumentiert werde.
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