Nele Heaslip über "ihren" Faust: Hier spielt die Geschichte des verzweifelten Gelehrten, der eine Wette mit dem Teufel eingeht, in drei sich abwechselnden Zeitebenen - im Mittelalter, im Nationalsozialismus und in der Gegenwart. Die Idee für die Dreiteilung der Handlung ergab sich für mich nach und nach - doch sobald ich anfing, zu zeichnen, bemerkte ich mit Erstaunen, dass der Rest wie von selbst geschah. Faust machte sich selbstständig und passte sich den neuen Zeitebenen an, als wäre er eigens für sie geschrieben worden - das Stück nahm Bedeutungen an, die ich zuvor kaum darin vermutet hatte. Und es ergaben sich gesellschaftskritische Fragestellungen über die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt, Individuum und Gesellschaft und um die (Dis)kontinuität von Täter- und Opferrollen, die auf die heutige Zeit so gut zutreffen wie einst auf Goethes Zeit. Vielleicht bedeutet das, dass wir uns in diesen 217 Jahren Faust kaum verändert haben - als Menschen und als Gesellschaft. Das würde jedenfalls meine Ansicht bestätigen, dass der kluge, übermütige, weit- und kurzsichtige Heinrich Faust den Menschen selbst verkörpert. Der Mensch, der sowohl in seiner sensiblen Weitsicht die Fähigkeit aufweist, die Welt von ihren zahllosen, menschengemachten Konflikten zu erlösen - als auch in seiner Unersättlichkeit dieTendenz, sie tiefer ins Verderben zu stürzen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.01.2026
Eine akribisch gezeichnete "Faust"-Adaption legt Nele Heaslip laut Rezentin Christiane Lutz mit dieser Graphic Novel vor. So akribisch, dass dieser erste Band eines größer angelegten Projekts nur einen kleinen Teil der Faust-Handlung abbildet. Wobei in der Tat die in Düsternis und Faust'schen Denkfalten schwelgenden Bilder im Zentrum stehen, der Text ist eher verknappt. Das stört Lutz nicht, allerdings merkt sie an, dass doch nicht ganz jede Bildidee gelungen ist. Außerdem ist sie sich nicht ganz sicher, ob es Sinn ergibt, Faust nicht nur als historische Figur zur Entstehungszeit der Vorlage abzubilden, sondern ihn auch in die Gegenwart zu holen - und ihn außerdem als einen verfolgten Juden zu Zeiten des Nationalsozialismus zu zeichnen. Vor allem Letzteres ist nicht gerade naheliegend, meint Lutz, deren Urteil über diesen ambitionierten Band gleichwohl positiv ausfällt.
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