Nico Bleutge

verdecktes gelände

gedichte
Cover: verdecktes gelände
C.H. Beck Verlag, München 2013
ISBN 9783406646782
Gebunden, 71 Seiten, 14,95 EUR

Klappentext

In seinem dritten Gedichtband spürt Nico Bleutge den Übergängen zwischen Wach- und Traumzuständen nach. Und er nähert sich den beweglichen Orten an, wo Wahrnehmungen und Gedanken ineinandergleiten, findet Zwischenmomente, in die sich immer wieder Erinnerungen und Sprachsplitter schieben, aber auch geschichtliche Spuren, erdachte und projizierte Bilder. Im Areal von Gedicht und Erinnerung erkundet er die Atmosphären, die Landschaften und Städte annehmen können. So lassen sich wundersame Entdeckungen machen, die Sprache und Wahrnehmung schärfen, "meeresbeweglichkeit" etwa, "gleisluft" oder "ein ziehen der muskeln im sand". Mit ihren wechselnden Rhythmen sind diese Gedichte aufregende Expeditionen ins Sprachgelände und in die Grenzzonen von Bewusstsein und Welt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2013

Auf Entdeckungstour begibt sich Rezensentin Beate Tröger mit den Gedichten von Nico Bleutge. Was sie dabei findet, scheint ihr so flirrend und Geduld einfordernd wie ertragreich in Bezug auf verborgene Naturerscheinungen und Bedeutungsschichten der Sprache und des Bewusstseins. Bleutges neuen Band sieht Tröger im Zusammenhang eines sich von Veröffentlichung zu Veröffentlichung entwickelnden Bezugssystems. Sich solchermaßen auskennend mit Bleutges Werk gelingen der Rezensentin Einblicke in die Mikrostruktur der Texte, ihren Rhythmus, ihre Motivik. Etwas Geduld, meint Tröger, ist auch von Vorteil, um den Gedichten auf den Grund zu gehen. Dann entwickeln sie Sog und Spannung und helfen gegen den Einheitsbrei der Alltagssprache.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.08.2013

Am Anfang wittert Rezensentin Ina Hartwig eine Absage ans Digitale. Geborstene Kabel quellen aus der Landschaft in Bleutges neuen Gedichten. Aber so einfach ist das nicht: Bleutge ist laut Hartwig keineswegs ein Idylliker. Darum ist die Landschaft auch nicht Landschaft: Hier passiert "so etwas die Ablösung der Landschaftsromantik durch eine Geländewahrnehmung". Auch das lyrische Ich habe sich "weitgehend erledigt": An seine Stelle tritt eine sich verselbständigende Wahrnehmung und intensiviert sich und bohrt von der Oberfläche des Geländes in die Tiefen des Traums, der Geschichte, der Literatur. Schön zeigt Hartwig, wie sich Bleutge durch eine Überschreibung eines Heiner Müller-Gedichts dem Goetheschen "Erlkönig" nähert. "Das Kind war ich."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.06.2013

Mit viel Lob bespricht Rezensent Jens Bisky den neuen, unter dem Titel "verdecktes gelände" erschienenen Gedichtband Nico Bleutges, der ihm als Erneuerer der romantischen Dichtersprache gilt. Der Kritiker findet kaum genug Worte, um seine Begeisterung für die in fünf Abschnitten versammelten Gedichte dieses Bandes auszudrücken: In einem Rhythmus, der Bisky den "Atemgeschwindigkeiten eines Wanderers" nachgebildet zu sein erscheint, streift er durch die zwischen Idylle und Großstadt, organischer und anorganischer Natur oszillierenden Gedichte. Während der Rezensent einmal mehr Bleutges Zurücknahme des Ich und seine ungestörte Beobachtung der Welt lobt, besticht dieser Band seiner Meinung nach insbesondere durch seine Vielfalt und die Wiederaufnahme von Motiven in anderen Tonlagen. Jedem dieser lyrischen Meisterwerke, die Bisky weniger als klassische Landschaftslyrik, sondern vielmehr als "Geländelyrik" bezeichnen möchte, sei der Zustand einer "konzentrierten Euphorie" anzumerken, lobt der verzauberte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.05.2013

Größte Detailgenauigkeit erlangt, meldet Michael Braun angesichts von Nico Bleutges neuem Gedichtband, der laut Braun Naturgeschichte meisterlich in Dichtung gießt. Dass der Dichter sich demnächst neu erfinden wird, daran ist für Braun aber auch kein Zweifel. Der jetzige Band indes nimmt den Rezensenten mit auf Stadtrand- und Naturerkundungen, lässt ihn teilhaben an fluiden Prozessen und akustischen Phänomenen, die für Braun hier nicht realistisch naturdichtend, sondern hochmusikalisch komponiert und gefasst sind. Ganz nah an den Konturen von Schneeverwehungen und Flurgras eröffnen diese Gedichte dem Rezensenten eine Phänomenologie der Naturstoffe, komplexe Naturbilder.
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