Bist du traurig, wenn ich sterbe

Rowohlt Verlag, Hamburg 2024
ISBN
9783498003777
Gebunden, 304 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Schwedischen von Stefan Pluschkat. Nicolas Lunabba erzählt von denen, die ganz unten stehen: Jugendlichen, deren kriminelle Karriere vorgezeichnet scheint. Er kümmert sich als Sozialarbeiter um sie und war früher selbst einer von ihnen. Nur zu gut kennt er die Gewalt, die Wut. Seine Erfahrungen lassen ihn Zugang finden zu den Jugendlichen, besonders zu einem von ihnen: Elijah. Aber Nicolas wird nicht alle retten können, vielleicht sogar keinen. Er muss sich abgrenzen, um nicht zu zerbrechen. Doch er wagt es, Elijah bei sich aufzunehmen, an Elijah zu glauben. Einfühlsam und ehrlich beschreibt Lunabba, wie sich zwischen den beiden vorsichtig eine Beziehung voller Höhen und Tiefen entwickelt und Elijah Vertrauen zu Nicolas fasst und umgekehrt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.08.2024
In Schweden war dieses Buch ein großer Erfolg, nun trifft sich Rezensent Alex Rühle mit dem Autor Nicolas Lunabba in Malmö, der Stadt, in der sich die Geschehnisse abgespielt haben. Lunabba ist Sozialarbeiter, 2012 hat er in einer Art Übersprungshandlung einen Klienten bei sich zuhause aufgenommen, den 14-jährigen Elijah, der in einem Strudel aus Gewalt zu versinken droht und in dessen Umfeld schon diverse Jugendliche getötet wurden. Lunabba erzählt von einer Stadt, in der es etliche solcher Fälle gibt, von Klassenunterschieden und den jeweiligen spezifischen Codes, die man beherrschen muss, um dazuzugehören, so Rühle. Ein Buch, das von der Brutalität berichtet, mit der Jugendliche sterben und vom Staat alleine gelassen werden, aber auch von den Möglichkeiten, die Elijah mit der Hilfe des Sozialarbeiters ergreifen konnte, schließt der überzeugte Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 22.06.2024
Mit "Bist du traurig, wenn ich sterbe" hat der Sozialarbeiter und Aktivist Nicolas Lunabba ein aufrüttelndes und sehr persönliches Buch geschrieben, meint Rezensent Valentin Wölflmaier. Es ist in einem der migrantisch geprägten Viertel schwedischer Großstädte angesiedelt, in denen die Verwicklung Minderjähriger in Kriminalität und Schusswaffengewalt an der Tagesordnung sind. Lunabba spricht, direkt in der zweiten Person, das Kind Elijah an, das er als Sozialarbeiter betreut und schließlich bei sich einziehen lässt. Im Zentrum stehen, so der Rezensent, ihr alltägliches Zusammenleben und die gutbegründete Sorge um das Leben Elijahs, dessen Mutter alkoholsüchtig ist und der trotz aller Schwierigkeiten nach einer Karriere als Basketballer strebt. Wütend klagt Lunabba die politischen Verhältnisse an, die für das verhängnisvolle Aufwachsen von Kindern wie Elijah verantwortlich sind; dabei bietet der Text Wölflmaier zufolge keine differenzierte sozialpolitische Analyse, sondern vertritt in schlichter und schonungsloser Sprache eine klare politische Haltung. Ein beeindruckend ehrliches Buch, schließt der Rezensent, das nun in der Übersetzung von Stefan Pluschkat vorliegt.