Anhand zahlloser Akten erzählt Niklas Frank empörende, aber auch absurd komische Fälle voller Lug und Trug aus der Zeit der Entnazifizierung zwischen 1945 und 1951. Dreist verkauften damals Mitglieder und Nutznießer der NSDAP die Spruchkammern für dumm und retteten sich ohne Reue ins demokratische Deutschland. Frank gewährt uns großartige Einblicke in den giftig-süßen Beginn der bundesdeutschen Demokratie und erschreckende in den Alltag des "Dritten Reichs". Böse analysiert er, dass ein direkter Weg von damals zum heutigen Verhalten der schweigenden Mehrheit der Deutschen führt. Ein Buch zum Staunen, wütend werden und zum bitteren Lachen. Neben Prominenten wie Lina Heydrich, Oskar von Hindenburg, Emmi Göring, Winifred Wagner und anderen interessiert sich Frank vor allem für die vielen unbekannten Nazis, die das unmenschliche System gestützt und bejubelt haben, ihre Mitmenschen denunzierten, bei der Judenverfolgung wegsahen und sich bei den Mächtigen anbiederten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.2016
Rainer Blasius findet die Abrechnung des 1939 geborenen Niklas Frank mit den Entnazifizierten der Elterngeneration teilweise wirr. Auch wenn der Autor laut Blasius Bemerkenswertes aus den Akten der Spruchkammern zutage fördert, seine Kommentierung findet der Rezensent eher "grobschlächtig", und den Hass des Autors auf seine Nazi-Eltern kann er allzu gut beim Lesen spüren. Franks Anliegen, Lug und Trug bei den selbstmitleidigen Selbstentlastern aufzudecken, scheint für Blasius ein wenig darin unterzugehen. Gliederung und Personenregister vermisst er im Buch schmerzlich.
Spätestens nach der Lektüre von Niklas Franks Anklageschrift gegen die großen Heraus-Redner der NS-Nachkriegszeit muss Rezensent Klaus Bittermann die Empörung des Autors teilen. Deprimierend, "kaum auszuhalten" und manchmal von unfreiwilliger Komik sei die brutale Boshaftigkeit und Dummheit, mit der ehemalige Täter und Mitläufer sich, wie Frank in zahlreichen Akten und Dokumenten nachgelesen hat, aus der Verantwortung ziehen. Bittermann zeigt sich beeindruckt von der Stetigkeit und Schonungslosigkeit, mit der der Sohn des NS-Oberen Hans Franks sich und seine Leser immer wieder mit seinem Trauma, dem enormen Hass auf den Vater und die Nazis von gestern und heute, konfrontiert. Dass der Autor keine historisch gemessene Sicht auf das Thema haben kann, findet Bittermann nur logisch.
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