Herausgegeben von Tobias Freimüller, Tim Schanetzky, Sybille Steinbacher, Dietmar Süß und Annette Weinke. Die "Demokratisierung der Deutschen" war nach 1945 keine zielstrebige Erfolgsgeschichte, sondern ein ambivalenter, mitunter gefährdeter Prozess.Lange wurde die Bundesrepublik als "geglückte Demokratie" beschrieben. Erst mit den Erfolgen des "Populismus" schlug das Pendel ins andere Extrem um: Seither überschlagen sich Krisendiagnosen und Untergangsszenarien. Vor diesem Hintergrund setzt sich der Band mit den Voraussetzungen und Eigendynamiken jenes Demokratisierungsprojekts auseinander, das seine Wurzeln im demokratischen Exil und in den alliierten deutschlandpolitischen Planungen des Zweiten Weltkriegs hatte. Verfolgt wird die Geschichte der Demokratisierung bis in die Gegenwart: Erwartungen und Imaginationen geraten dabei ebenso in den Blick wie staatliche Institutionen und Strukturen, wirtschaftspolitische Weichenstellungen sowie gesellschaftliche Diskurse und Mentalitäten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2020
Rezensentin Isabell Trommer liest fast alle Beiträge in dem von Tim Schanetzky und anderen herausgegebenen Sammelband mit Gewinn. Das mit dem Ziel einer Historisierung des widersprüchlichen Demokratisierungsprozesses abgedeckte "breite Spektrum" erinnert sie an Radikalisierungsprozesse in den siebziger und achtziger Jahren, an 1968, macht sie mit DDR-Erzählungen im Wandel der Zeiten bekannt oder mit der EU als "Schreckgespenst der Demokratie". Einige Texte stechen für Trommer aus den mal persönlichen, mal historisch ausgerichteten Arbeiten heraus. Dazu gehört ein Beitrag von Dietmar Süß über die "Hitler-Tagebücher".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.04.2020
Ralf Husemann stellt fest, dass der von Tobias Freimüller, Tim Schanetzky, Sybille Steinbacher, Dietmar Süß und Annette Weinke herausgegebene Band sich auf Zeiten bezieht, die gerade weit entfernt scheinen. Die Auseinandersetzung mit Rechtsterror, Antisemitismus, AfD, der Gefährdung der Demokratie und der Frage, was aus der Geschichte zu lernen sei, findet Husemann gleichwohl aktuell. Die knapp dreißig "materialreichen", laut Rezensent gut lesbaren Essays von Kulturwissenschaftlern und Historikern können allerdings nur als Einstieg in die Thematik gelten, räumt er ein. Ob sich Diemar Süß mit Nazikitsch befasst oder Carola Dietze den blinden Fleck der Historiografie in Bezug auf die im Jahr 1980 von der Wehrsportgruppe Hoffmann verübten Morde ausleuchtet, stets fühlt sich Husemann mit interessanten Einzelheiten bereichert.
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