Götz Aly

Das Prachtboot

Wie Deutsche die Kunstschätze der Südsee raubten
Cover: Das Prachtboot
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2021
ISBN 9783103970364
Gebunden, 240 Seiten, 21,00 EUR

Klappentext

Neben Denkmälern und Straßennamen zeugen zauberhafte Museumsobjekte von den einstigen Kolonien - doch wie sind zu uns gekommen und woher stammen sie? Götz Aly deckt auf, dass es sich in den allermeisten Fällen koloniale Raubkunst handelt, und erzählt, wie brutal deutsche Händler, Abenteurer und Ethnologen in der Südsee auf Raubzug gingen. So auch auf der Insel Luf: Dort zerstörten sie Hütten und Boote und rotteten die Bewohner fast vollständig aus. 1902 rissen Hamburger Kaufleute das letzte, von den Überlebenden kunstvoll geschaffene, hochseetüchtige Auslegerboot an sich. Heute ist das weltweit einmalige Prachtstück für das Entree des Berliner Humboldt Forums vorgesehen. Götz Aly dokumentiert die Gewalt, Zerstörungswut und Gier, mit der deutsche "Strafexpeditionen" über die kulturellen Schätze herfielen. Das Publikum sollte und soll sie bestaunen - aber bis heute möglichst wenig vom Leid der ausgeraubten Völker erfahren. Ein wichtiger Beitrag zur Debatte über Raubkunst, Kolonialismus und Rassismus und zugleich ein erschütterndes Stück deutscher Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.05.2021

Rezensent Günter Wessel will die Stiftung Preußischer Kulturbesitz auf der Schulbank sehen, vorn am Pult Götz Aly. Dessen Buch über Herkunft und Raubgeschichte des Luf-Bootes im Berliner Humboldt-Forum spricht Wessel zufolge eindeutige Worte, befragt eindeutige, von allen einsehbare Quellen, auch wenn es im Fall des Luf-Bootes keine konkreten Belege gibt, wie Autor und Rezensent einräumen. Dass Artefakte wie das Boot aus dem damaligen Bismarck-Archipel nicht auf rechtmäßige Weise, sondern im Zuge des Kolonialismus, also von Mord, Versklavung und Raub nach Deutschland kamen, daran zweifelt Wessel nicht. Ein wichtiges, lesbares, engagiertes Buch, meint er.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 22.05.2021

Rezensentin Swantje Karich findet Götz Alys Buch, das die Geschichte des geraubten Luf-Bootes im Berliner Humboldt-Forum erzählt, anders als bisher, genauer, unverhohlener, schlicht niederschmetternd. Für Karich bleibt den Museumsmachern nach diesem Buch im Grunde nur eine völlige Neuorientierung als Weg, da Aly die Gewaltgeschichte hinter dem Objekt so detailreich anhand der Quellen und messerscharf argumentierend erzählt. Dass der Band zudem für jedermann verständlich geschrieben ist, lässt auf eine breite Sensibilisierung für das Thema Restitution hoffen, meint Karich.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.05.2021

Rezensent Thomas Ribi lernt die wahre Geschichte hinter dem Luf-Boot in der Ausstellung zu den Kulturen der Welt im Berliner Humboldt Forum kennen. Götz Alys Rückblende ins Jahr 1902 offenbart ihm die skrupellosen räuberischen Machenschaften der Deutschen im heutigen Papua-Neuguinea sowie die "Sammelwut" der Museen. Pointiert und quellennah legt der Autor die Zerstörung einer Kultur dar, ohne die Verdienste der Ethnologie in der Kolonialzeit zu unterschlagen, schreibt Ribi anerkennend. Spätestens nach diesem Buch hält Ribi die Zugänglichmachung der Dokumentation zu den Objekten in der Sammlung für ein Muss.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.05.2021

Rezensent Jörg Häntzschel liest bei Götz Aly nicht nur die Geschichte des berühmten Bootes von der Insel Luf nach, er erfährt auch von der Auslöschung eines ganzes Volkes. Zu Zehntausenden wurden die Bewohner der deutschen Kolonien in der Südsee auf Plantagen versklavt, bei Strafexpeditionen der Kriegsmarine wurden immer wieder ganze Inseln dem Erdboden gleichgemacht, die Bevölkerungen massakriert. Auch wenn Aly nicht exakt rekonstruieren können, wie das Boot in die Hände deutscher Kolonisten geriet, so geschah dies vor dem Hintergrund von Raub und Mord, betont der Rezensent. Für ihn erweitert Aly mit diesem "bestürzenden Buch" die Debatte um den Kunstraub um ein nächstes, furchtbares Kapitel. Nicht nur die Benin-Bronzen sollten restituiert werden, so der überzeugte Kritiker, sondern nach Meinung des Autors auch dieses prächtige Boot von der Insel Luf.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 10.05.2021

Rezensent Otto Langels möchte das sogenannte Luf-Boot aus Deutsch-Neuguinea gar nicht im Humboldt-Forum sehen. Nach der Lektüre von Götz Alys Buch, das die Raub-Geschichte hinter dem Museumsartefakt erzählt und noch einiges mehr, führt Langels die Gewaltsamkeit deutscher Kolonialherrschaft einmal mehr vor Augen. Wie Aly das macht, auf Basis zeitgenössischer Quellen, ohne Blatt vor dem Mund, pointiert und mit der Forderung schließend, die Herkunft der Objekte in den ethnologischen Museen zu prüfen und diese gegebenenfalls zurückzugeben, findet Langels ebenso lesens- wie bedenkenswert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.05.2021

Rezensent Mark Siemons empfiehlt Götz Alys Buch als exemplarische Erkundung deutsch-kolonialistischen Handelsgebarens, vulgo: gemeinster Räuberei. Wie das sogenannte Luf-Boot aus Papua-Neuguinea, vormals Bismarck-Archipel, in die ethnologische Sammlung der Staatlichen Berliner Museen gelangte, erörtert der Autor laut Siemons anhand zugänglicher Quellen wie Briefen und Berichten. Für Siemons eine beispielhafte Provenienzforschung, wie sie allenthalben nötig wäre, auch weil der Autor dabei durchaus die Verdienste der Ethnologie im Blick behält. Alys Folgerungen und Forderungen (treuhändische Verwahrung und Restitution!) kann der Rezensent nachvollziehen. Ebenso die verhaltene Wut, die aus den Buchseiten spricht, wie er feststellt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2021

Rezensent Andreas Kilb legt uns Götz Alys neues Buch ans Herz. Der Autor macht seinem Ruf als Zerstörer historischer Mythen darin alle Ehre, versichert Kilb und freut sich. Anlass ist diesmal das mächtige Auslegerboot aus der Südsee-Sammlung des Ethnologischen Museums Berlin. An seiner (Raub-)Geschichte macht Aly laut Kilb deutlich, was die Ethnologie noch an Vergangenheitsaufarbeitung vor sich hat. Kilb erfährt, dass der Kahn mitnichten rechtmäßig vom Deutschen Reich erworben wurde, wie es noch immer auf der Seite des Museums heißt, sondern schlicht geraubt wurde. Dass es sich dabei nur um ein trauriges Detail der generalstabsmäßigen Ausrottung der Autochtonen im heutigen Papua-Neuguinea durch die kaiserlichen Truppen handelt, lernt der Rezensent auch. Die Verdienste der deutschen Ethnologie verschweigt Aly allerdings nicht, schreibt Kilb anerkennend, weshalb das Buch für ihn kein Pamphlet ist, sondern ein gut recherchierter und geschriebener Aufruf zur Restitution.
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