Das Stichwort "Kriegserfahrung" signalisiert nicht allein das Anliegen, historische Akteure mit ihrer Nahperspektive auf das Kriegsgeschehen wieder zum Sprechen zu bringen. Vielmehr steht dahinter ein kulturwissenschaftliches Forschungsprogramm, das die sozial-, kultur- und alltagsgeschichtlichen Dimensionen des Krieges in den Blick nimmt. Der Erfahrungsbegriff steckt dabei den Rahmen für unterschiedliche methodische Herangehensweisen ab, um individuelle und kollektive Deutungen, Sinnstiftungen und Bewältigungen in und von Kriegen zu untersuchen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.02.2002
Dass man nicht unmittelbar an einem Ereignis teilgehabt haben muss, um diese Erfahrungen aufzuschreiben und zu interpretieren, wird für Rezensent Christian Jostmann im vorliegenden Sammelband beispielhaft vorgeführt. Gerade die sogenannten "weißen Jahrgänge" hätten an dem vermeintlichen Makel gelitten, den Krieg zumindest nicht an der Front miterlebt zu haben. Ein "Beobachter zweiter Ordnung" könne dagegen über die individuellen Erfahrungen hinaus den gesellschaftlichen Kontext und die Versuche der Sinnstiftung herausarbeiten. Im Werkstattbericht des Tübinger Sonderforschungsbereichs "Kriegserfahrungen" hebt Jostmann die Aufsätze von Frank Becker über die deutsche Wahrnehmung französischen Partisanentums im Einigungskrieg 1870/71 und Aribert Reimans Lektüre britischer Feldpostbriefe aus dem 1. Weltkrieg hervor. Andere Autoren des Bandes betreiben ihm dagegen zu viel Theorieaufwand. Muss man wirklich mit 70 Jahren Wissenssoziologie um sich schlagen, fragt der Rezensent genervt, um zu der sensationellen Erkenntnis zu gelangen, dass Erfahrung sozial bedingt sei und in den Rang einer historischen Kategorie erhoben werden müsse?
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