Nikos Dimou

Die Deutschen sind an allem schuld

Cover: Die Deutschen sind an allem schuld
Antje Kunstmann Verlag, München 2014
ISBN 9783888979392
Einband unbekannt, 118 Seiten, 9,95 EUR

Klappentext

"Wir Griechen verdanken den Deutschen viel. Unseren ersten König, unser Recht, die neo-klassische Architektur und viele Ausgrabungen. Und nicht zu vergessen: unsere Identität - oder zumindest einen Teil davon." Und das ist eher ein Unglück. Denn seit Winckelmann die alten Hellenen erfand und den Mythos einer idealen Staatswelt in der griechischen Antike ansiedelte, wurde das Ego der Griechen allmählich etwas zu groß für ihr Land. Schließlich sollten sie auch noch Europäer werden - und waren auch damit, wie sich inzwischen herumgesprochen hat, restlos überfordert …Nikos Dimous neue Reflexionen "über das Unglück der Griechen" sind in der Form platonischer Dialoge geschrieben. Er und seine internationalen Gesprächspartner wundern sich über so manches: warum Griechen im Ausland plötzlich zivilisiert Auto fahren, warum sie schon zur Begrüßung über alles klagen und was es mit dem griechischen Licht auf sich hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.06.2014

Ein fundiertes und äußerst interessantes Buch sieht Rudolf Walther in Nikos Dimous "Die Deutschen sind an allem schuld" vorliegen. Auf zugängliche Weise liefere Dimous anhand von Dialogen, die der Autor mit realen sowie fiktiven Gesprächspartnern führt, Einblicke in das komplexe Verhältnis von Griechenland zu Europa. Der Philosoph und Schriftsteller rekapituliert, so freut sich der Rezensent, in jenen "sokratisch inspirierten" Dialogen die historischen Koinzidenzen, die einerseits die Griechen - gegen deren Willen und deren Eignung - zu Erben der Hellenen werden ließen und andererseits dazu führten, dass Griechenland sowohl in- und außerhalb Europas liegt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2014

Über Griechenland und die Griechen erfährt Raimund Wünsche in diesem Buch eine ganze Menge. Nicht alles, was Nikos Dimou hier aufschreibt, hat mit der Finanzkrise zu tun, erklärt der Rezensent. Den Autor findet er gerade dort am treffendsten in seinen Diagnosen, wo er allgemeiner auf die Identitätsprobleme seiner Landsleute eingeht, sich mit dem orthodoxen Glauben befasst, Sokrates aufruft und Goethe, Winckelmann und Hölderlin. Letztere drei tragen aus Sicht des Autors die Schuld an den Minderwertigkeitsgefühlen der Griechen, erklärt Wünsche, ihr idealisiertes Griechenbild hat die Latte einfach zu hoch gelegt. Auch wenn dem Rezensenten das Fiktionale an den hier versammelten Texten nicht entgeht, die Inhalte scheinen ihm doch recht nah an der Wirklichkeit, etwa, wenn Dimou das Finanzdesaster den freizügigen Kreditgebern mit zur Last legt. Was gewesen wäre, wären die Kredite seinerzeit ausgeblieben, sagt der Autor allerdings nicht, bedauert Wünsche.

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