Aus dem Persischen von Asal Dardan. Mit einem Vorwort von Natalie Amiri. Nach dem Tod von Mahsa Jina Amini im September 2022, der landesweite Proteste auslöste, geht auch Nila auf die Straße. Die Angst ist der ständige Begleiter der Frauen, die gemeinsam für ihre Rechte kämpfen - bedroht und eingeschüchtert von der berüchtigten Sittenpolizei, die wahllos verhaftet, foltert und tötet. Nila schildert ihre persönlichen Erfahrungen als Aktivistin auf den Straßen Teherans und setzt diese in den Kontext einer langen Geschichte weiblicher Stärke in Iran. Ein mutiges Zeugnis, das einen tiefen Einblick in die gegenwärtigen Proteste und die anhaltende Unterdrückung in Iran bietet.
Rezensent Martin Tschechne bespricht beeindruckt Nilas Buch über den Widerstand gegen das islamische Regime im Iran. Weit zurück blickt die Autorin, es geht darum, wie der Islam sich vor knapp eineinhalb Jahrtausenden im Iran festsetzte und sich in der Folge nie eine Bewegung der Aufklärung etablieren konnte. Stattdessen etablierten die Islamisten ab 1979 ein System der Unterdrückung - Nila schreibt auch über ihre eigene Scham angesichts der Tatsache, dass das Regime durch einen Volksaufstand an die Macht kam. Außerdem geht es um die Bewegung "Frau, Leben, Freiheit", die 2022 eine neuerliche Zäsur einleitete. Tschechne, der das Buch offensichtlich mit viel Sympathie gelesen hat, auch wenn er sich eines direkten Urteils enthält, weist darauf hin, dass die Proteste Anfang 2026 mitsamt ihrer brutalen Niederschlagung hier noch nicht vorkommen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.02.2026
Rezensentin Susan Vahabzadeh liest das Buch von Nila als Denkmal für alle Demonstranten im Iran. Auch wenn vieles von dem, was die Autorin beschreibt, schon wieder von den neuesten Ereignissen überholt wurde, behält es für Vahabzadeh doch seine Gültigkeit. Nila berichtet vom Alltag des Widerstands, von Internetsperren, Gerüchten über Gewalt und allgegenwärtiger Bedrohung, so die Rezensentin. Dass die Autorin ihre Erlebnisse mit der Lebensgeschichte der Theologin und Frauenrechtlerin Tahere verschneidet, stellt die Protest im Iran in eine "lange Tradition", erkennt Vahabzadeh. Nila beleuchtet historische Ereignisse, wie die von den USA und dem UK orchestrierte Niederschlagung der Regierung des Premiers Mossadegh, ebenso wie den fatalen Volksaufstand, der die Mullahs an die Macht brachte, sie erzählt von Folter und Vergewaltigungen und von Müttern, "die an den Gräbern ihrer Kinder tanzten". Vahabzadeh kann nur hoffen, dass die hier dokumentierte Wut der Iraner irgendwann von den Machthabern nicht mehr unter Kontrolle zu halten ist.
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