Die Wahrnehmung Irans wird derzeit von den Tiraden Ahmadinejads und dem Nuklearprogramm dominiert. Das Klischee von verblendeten Mullahs verstellt dabei den Blick auf ein Land, dem zentrale Bedeutung für den Nahen und Mittleren Osten zukommt. Dagegen skizziert Volker Perthes die differenzierten strategischen Positionen, die Radikale und Realisten innerhalb der iranischen Eliten einnehmen. Europäischen Politikern empfiehlt er eine Politik, die das wechselseitige Vertrauen fördert und die Sicherheitsinteressen Irans wie seiner Nachbarn ernstnimmt. Damit liefert er einen fundierten Beitrag zu einer der wichtigsten politischen Herausforderungen der Gegenwart.
Im Prinzip interessant findet Rezensent Bahman Nirumand die Ansätze dieses Buchs, in dem der Leiter der Stiftung Wissenschaft und Politik sich Nirumands Eindruck zufolge um ein Zurechtrücken des gegenwärtigen Iranbildes bemüht. Dazu gehört zum Beispiel die, auf historischer Analyse basierende These von Volker Perthes, Irans Entscheidungen seien trotz islamistisch-fundamentalistischer Ausrichtung des Staats eher auf nationale Interessen gegründet. Vieles an Perthes' Versuch, das Verhalten des Iran "richtig" zu lesen, führt allerdings zu heftigem Kopfschütteln des Rezensenten, etwa die Einschätzung, der Iran sei kein autoritärer Staat, sondern vielmehr ein Zwitter mit demokratischen, theokratischen und despotischen Elementen. Und dass aus dieser Zwitterhaftigkeit des Iran ein pluralistisches Meinungsgefüge resultiere, die dem Staat Stabilität verleihen würde. Insbesondere vermisst Nirumand eine Auseinandersetzung mit der weit verbreiteten, wenn auch staatlich unterdrückten Zivilgesellschaft. Aber auch andere wichtige Aspekte bleiben aus Sicht des Rezensenten unbeleuchtet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.01.2009
Von diesem Buch von Volker Perthes über die nuklearen Ambitionen des Iran hat Rezensent Thomas Speckmann vor allem gelernt, wie schwer die Balance zwischen Sicherheit und Vertrauen herzustellen ist. Perthes, Leiter der Stiftung Wissenschaft und Politik, geht der Frage nach, wie die internationale Gemeinschaft mit Irans atomarer Aufrüstung umgehen soll. Nach der Lektüre steht für den Rezensenten immerhin fest, dass sich das Problem sobald nicht beheben lassen wird. Interessant findet Speckmann hier vor allem die Rolle, die Perthes Südafrika als möglichem Vermittler zukommen lässt. Doch bis auf weiteres droht, fasst Speckmann Perthes' Prognose zusammen, der Iran ein Kuba des Mittleren Ostens mit nuklearem Brennstoffkreislauf" zu werden, gegen das die USA auf die im Kalten Krieg erprobten Abschreckungsmittel zurückgreifen werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008
Von diesem Autor und seiner nüchternen Art lässt sich Rezensent Wolfgang Günter Lerch gern auf den Boden der Tatsachen zurückführen, was die Politik des Iran und den iranisch-amerikanischen Konflikt betrifft. Und siehe da: Jenseits der Propaganda beider Seiten, jenseits der Verbalattacken des iranischen Präsidenten und der iranischen Nuklearpläne scheint Hoffnung auf. Mit seiner Analyse der Verhältnisse nämlich kann Volker Perthes den Rezensenten davon überzeugen, dass Vertrauen in die Rationalität der iranischen Eliten angezeigt wäre. Wenn der Autor auch weder einen Königsweg anbieten noch den Leser auf ein rasches Ende des Konflikts vertrösten kann - Nüchternheit ist immer ein guter Anfang, scheint Lerch zu denken.
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