Nils Melzer

Der Fall Julian Assange

Geschichte einer Verfolgung
Cover: Der Fall Julian Assange
Piper Verlag, München 2021
ISBN 9783492070768
Gebunden, 336 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Mit dem "Afghan War Diary" veröffentlicht WikiLeaks 2010 das größte Leak der US-Militärgeschichte, mitsamt Beweisen für Kriegsverbrechen und Folter. Kurz danach verdächtigt Schweden WikiLeaks-Gründer Julian Assange der Vergewaltigung, und ein geheimes US-Schwurgericht ermittelt wegen Spionage. Als ihn Ecuador nach jahrelangem Botschaftsasyl der britischen Polizei überstellt, verlangen die USA sofort seine Auslieferung und drohen mit 175 Jahren Haft. Nils Melzer, UNO-Sonderberichterstatter für Folter, will sich zunächst gar nicht auf den Fall einlassen. Erst als er Assange im Gefängnis besucht und die Fakten recherchiert, durchschaut er das Täuschungsmanöver der Staaten und beginnt den Fall als das zu sehen, was er wirklich ist: die Geschichte einer politischen Verfolgung. An Assange soll ein Exempel statuiert werden - zur Abschreckung aller, die die schmutzigen Geheimnisse der Mächtigen ans Licht ziehen wollen. Dieses  Buch erzählt erstmals die vollständige Geschichte von Nils Melzers Untersuchung.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.12.2021

Rezensent Ralf Nestmeyer weiß als Writers-in-Prison-Beauftragter des PEN-Zentrums, wovon er spricht, wenn er Nils Melzers Buch über den Fall Assange zur Lektüre empfiehlt. Schon um den Fall im öffentlichen Gedächtnis zu erhalten, scheint Nestmeyer das Fakten und Hintergründe offenlegende Buch wichtig. Der Leser erfährt anhand der Recherchen des UN-Sonderberichterstatters Melzer laut Rezensent nicht nur, wie die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange konstruiert wurden, er lernt auch einen Justizskandal kennen, der sich seit fast zehn Jahren mitten in Europa zuträgt. Dass der Prozess gegen Assange fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, gehört für Nestmeyer ebenso dazu wie die menschenunwürdigen Haftbedingungen, unter denen Assange leidet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.05.2021

Günter Hack sieht in den Buch von Nils Melzer und Oliver Kobold ein Buch der Entrüstung. Schade, findet er, denn eine nüchterne, etwa juristische Einschätzung der Sachlage um Assanges Situation und die Möglichkeit einer Anklage gegen ihn in den USA wegen Spionage hätte dem Rezensenten besser gefallen. Der Autor jedoch scheint ihm in aktivistischer Manier Verschwörungstheorien zu wälzen, wenn er den USA, Schweden und Großbritannien "weiße Folter" und den Massenmedien Schweigen im Fall Assange vorwirft. Davon abgesehen kann Melzer Assanges Weg vom Wikileaks-Helden zum psychisch schwer gezeichneten Verfolgten dem Rezensenten plausibel nachzeichnen.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…