Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN
9783446282971 Gebunden, 416 Seiten, 27,00
EUR
Klappentext
Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes Leben zerbrechlich in diesem Roman, der mit einem Axthieb beginnt: Adrians Vater macht ihn als Jugendlichen untauglich für den Ersten Weltkrieg, rettet ihn so vielleicht. Der störrische, zärtliche Mensch, der von da an durch über achtzig Lebensjahre hinkt, ist das Wunder dieses Erzählens. Adrian sieht zweimal seine Welt untergehen, hat zweimal mit jungen Männern zu tun, die weniger Glück hatten als er, und erlebt im Alter die unverhoffte Liebesgeschichte eines Mannes, der zu allem erzogen wurde, bloß nicht zum Lieben. Wie leben im Schatten der Kriege und des Tötens?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2026
Rezensent Andreas Platthaus applaudiert dem neuen Roman von Norbert Gstrein; er besteht für ihn sogar den Vergleich mit dem für Platthaus bisher "unvergleichlichen" Arno-Geiger-Roman "Unter der Drachenwand". Auch Gstrein erzählt nun von den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf Österreich; es geht um einen augenscheinlich "davongekommenen", durch einen Axthieb des Vaters kriegsuntauglich gemachten Mann, der Lehrer wird, heiratet, aber von Schuldgefühlen begleitet wird. "Mitreißend" findet der Kritiker, wie Gstrein seine Hauptfigur "durchs Leben und in die Liebe hinken" lässt, ihn dabei als Beobachter von außen zeichnet, der die Isolation der in seinem Heimatort untergebrachten Kriegsheimkehrer bezeugt. Besonders angetan war der Kritiker davon, wie die zerklüftete österreichische Berglandschaft zum Abbild der zerklüfteten Gesichter der Veteranen wird. Nur im Zweiten Teil zu "Auf- und Abzug des Faschismus" falle der Roman leicht ab; im dritten Teil gehe es dann aber zurück aufs Anfangsniveau und dabei in die 80er Jahre und nach England. Insgesamt ein glücklicher Kritiker.
Rezensent Jan Drees erkennt in Norbert Gstreins neuem Historienroman über einen Kriegsverherrlicher und Kenner der kaiserlichen Kavallerie in der Zwischenkriegszeit ein Buch der Stunde. Der Held Adrian verkörpert für Drees trotz oder eben weil ein Mann ohne Eigenschaften seine Epoche. Anziehend erscheint ihm diese Figur, lesbar und wuchtig die "souverän durchformte", wenngleich eher konventionelle Erzählung. Lehrreich überdies, da der Held an einem "fehlverstandenen Heroismus" laboriert. Für Drees die Geschichte eines Jahrhunderts und ein Meilenstein der Antikriegsliteratur.
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