Unter Mitarbeit von Jürgen Busch, Tamara Ehs, Miriam Gassner und Stefan Wedrac. Die vorliegende Biografie widmet sich dem bewegten Leben Hans Kelsens (1881-1973), des wohl bedeutendsten Rechtsphilosophen des 20. Jahrhunderts. Sein Lebensweg führte ihn von Prag und Wien über Köln, Genf und andere Stationen bis nach Berkeley in Kalifornien. In ihm spiegeln sich die letzten Jahre der Habsburgermonarchie, der Antisemitismus und die Situation des assimilierten Judentums in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der Erste Weltkrieg und der Zerfall der Monarchie wider, aber auch die Entwicklung des Austromarxismus, die Gründung der demokratischen Republik Österreich und ihr Zerbrechen an den antidemokratischen Kräften, die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei, die schwierige Lage der Schweiz in der Zwischenkriegszeit, die Emigration europäischer Intellektueller nach Amerika, der Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg, die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse und die Neugestaltung Mitteleuropas nach dem Krieg, schließlich der Aufstieg der Universität Berkeley zu einer der führenden der Welt. Vor diesem Hintergrund entwickelte Kelsen seine Reine Rechtslehre, ein rechtstheoretisches Modell, das sich zum Ziel setzte, die Rechtswissenschaft von aller politischen Ideologie und allen naturwissenschaftlichen Elementen zu reinigen und den Idealen der Objektivität und Exaktheit soweit als möglich anzunähern. Für dieses Bemühen erlangte Kelsen Weltruhm. Kelsen war aber auch ein bedeutender Demokratietheoretiker; er war "Architekt" des Bundes-Verfassungsgesetzes von 1920, das bis heute in Österreich in Geltung steht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.08.2020
Der hier rezensierende Verfassungsrechtler Horst Dreier nennt Thomas Olechowskis Biografie über den von den Nazis vertriebenen Juristen Hans Kelsen die reife Frucht intensiver Beschäftigung mit Leben und Werk des Rechtswissenschaftlers. Mit Schwerpunkt auf der bewegten und beschwerlichen Lebensgeschichte Kelsens, unter Auslassung "diffiziler" Deutungsversuche des Werks, verschränkt der Autor laut Rezensent Vita, Werkbiografie und den Blick auf die prägenden Kontroversen um Kelsens "Reine Rechtslehre" sowie seine Exil-Zeit zu einer spannenden, wenngleich eher konventionell gehaltenen Biografie.
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